Leserbriefe

Sexueller Missbrauch und der Zölibat

21.03.2019, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Andreas Schwickert, Beuren. Zum Artikel „Auf Worte müssten Taten folgen“ vom 26. Februar. Was hat der Zölibat mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern zu tun?! Laut Theologe (PR) W. Kramer werde mit seiner Abschaffung und der Frauen-Ordination alle Probleme gelöst. Mit dieser Auffassung macht er nur deutlich, dass es ihm gar nicht so sehr um den Missbrauch geht, sondern um eine andere Kirche. In der Missbrauchsstudie wird klar und deutlich darauf verwiesen, dass der Zölibat kein Risikofaktor für den sexuellen Missbrauch darstellt. Es ist ja bekanntlich ein „alter Hut“ und es kommt immer wieder aus gewissen katholischen Kreisen die Forderung, den Zölibat abzuschaffen, interessanterweise von denen, die vom Zölibat gar nicht betroffen sind.

So bietet sich eben durch den Missbrauchs-Skandal mal wieder eine günstige Gelegenheit, die Abschaffung zu fordern. Dabei nimmt man es sogar in Kauf, die zölibatär lebenden Menschen (Priester, Ordensleute) zu diskriminieren, indem man von Zwangszölibat spricht. Der zölibatär lebende Mensch entscheidet sich keineswegs unter Zwang, sondern als freier, reifer und seiner Sinne voll bewusster Mensch zu dieser Lebensform, um sich Christus ganz vorbehaltlos – einschließlich seiner Sexualität – um des Himmelreiches willen hinzugeben. Ähnliches gilt auch für die Hingabe christlicher Eheleute, die sich einander schenken ganz und ohne Vorbehalte mit Leib und Seele, inklusive ihrer Sexualität. Denn beide Lebensweisen sind auf Fruchtbarkeit ausgerichtet: Ehe um irdisches Leben, Zölibat um geistliches Leben zu stiften.

Schaffen wir also beides ab, denn Fehlverhalten finden wir bei beiden. Laut Studie hat jeder zwanzigste Geistliche (Diakone/Priester) sexuellen Missbrauch an Kindern begangen. Das macht mich wütend, mehr aber noch schäme ich mich für meine Mitbrüder im Diakonen- und Priesterlichendienst. Noch mehr erschüttert es mich, dass weit mehr Kinder in den Familien, Vereinen, ja selbst in Schulen sexuell missbraucht werden. Dieses hat nun wirklich gar nichts mit dem Zölibat zu tun. Viel eher mit der Freigabe von Pornografie und dergleichen mehr aus den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts und der „sexuellen Vielfaltslehre“ in Lehrplänen unserer Schulen.

Als Vater von sechs Kindern und Großvater von 16 Enkelkindern bleibt mir nur das Gebet sowohl für die Täter als auch für die Opfer. Für die Opfer, dass Gott ihnen Menschen begegnen lässt, die Balsam zur Heilung ihrer Wunden beitragen. In mein Gebet schließe ich aber auch all die vielen Seelsorger (95 Prozent) ein, die ihren Dienst an den Menschen oftmals unter großen Opfern und Verfolgungen, dennoch mit Freude und viel Liebe verrichten mit ein, damit ihnen Gott die nötige Gnade verleiht, treu zu ihrem Ja-Wort zu stehen.

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