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Schlimme Überschriften

24.04.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Da sind drei Christen in der Türkei ermordet worden von Moslems. Welch ein Sturm geht da durch den Blätterwald der christlichen Welt. Wie viele Morde geschehen jeden Tag auf der Welt? Wen kümmert das? Aber diese drei Morde erregen die allgemeine Öffentlichkeit. Warum wohl? Sie verstärken ein Weltbild, das zwar krottenverkehrt ist, aber vielen Menschen arg gefällt.

Wenn bei uns drei Ausländer von Rechtsradikalen ermordet werden, so nehmen wir das mehr oder weniger gelassen hin. Dumme Geschichte. In der muslimischen Welt können dazu die Überschriften lauten: Christen ermorden drei Moslems Furchtbar! und das geschieht auch so. Wo ist der Unterschied? Es ist beide Male dumm.

Wenn der allerchristlichste Präsident der USA einen überaus ungerechten Krieg im Irak führt, in dem Tausende umkommen die muslimische Welt erlebt das, fälschlicherweise, als Krieg der Christen gegen den Islam. Und die Rhetorik der amerikanischen Regierung, die vom Kreuzzug spricht, gibt ihnen recht. Und die Moslems fühlen sich furchtbar wehrlos. Dabei haben weder die Kreuzzüge noch die Morde in der Türkei viel mit Religion zu tun; die Religion wird allemal missbräuchlich als Legitimation gebraucht. Es sind allemal Verbrechen, egal ob hier oder dort. Sie sind schrecklich und gehören von der Polizei verfolgt. Das geschieht offensichtlich zurzeit auch in der Türkei. Ob es sinnvoll ist, Bibeln in der Türkei zu drucken und zu verteilen, sei dahingestellt.

Aber die Hervorhebung dieser einen Mordtat über alle anderen dient einem verhängnisvollen Zweck: die Religionen gegeneinander aufzuhetzen. Und wer das tut, will die Welt in falsche Gegensätze treiben; und Überschriften, wie sie zurzeit durch die Presse geistern, leisten da üble Mithilfe. Das kann zu Hass und üblen Kriegen führen. Solche Sichtweisen dienen der Verdummung der Menschen zu ganz üblen Zwecken: im Krieg im Irak geht es kaum um Demokratie oder Freiheit oder gar um Religion; an jedem Schuss, der dort fällt, verdienen gewisse Leute um die amerikanische Regierung eine ganze Menge Geld; ebenso am Öl, das dort bekanntlich reichlich fließt. Wir sollten uns den Blick nicht vernebeln lassen. Das Herausheben dieser Morde jetzt dient mit Sicherheit nicht der Gerechtigkeit, der Wahrheit schon gar nicht dem Frieden. Es schürt Feindbilder. Schlimm! Denn eine Zukunft ohne Frieden, ohne Verständnis unterschiedlicher Kulturen, wird furchtbar werden. Nächsten- und Feindesliebe wird von den Christen wie von den Moslems gleichermaßen gefordert; auch wenn es in beiden heiligen Büchern auch andere Stellen gibt.

Leserbriefe

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