Leserbriefe

S 21 wird dem BER den Rang ablaufen

30.01.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Heinrich Brinker, Kirchheim. Zum Artikel „4,8 Milliarden Euro für S 21-Ausstieg – Bahn sagt Nein“, vom 26. Januar. Tröpfchenweise wird es immer klarer, dass S 21 zum Milliardengrab werden wird. Vor einem Jahr wurde noch steif und fest behauptet, das Projekt würde 6,5 Milliarden Euro kosten. Was bereits zwei Milliarden über dem Betrag lag, den der Bahnvorstand als absolutes Maximum annahm. Alles, was darüber liegt, würde laut Bahnvorstand Rüdiger Grube die Bahn in die Verlustzone bringen. Nun erfahren wir, dass die Bahn 8,2 Milliarden Euro benötigen wird, also sie 3,7 Milliarden Verlust machen wird. Der Bundesrechnungshof hat schon vor längerer Zeit zehn Milliarden Euro errechnet und die wunderbaren Kostenrechnungen der Bahn als Wunschdenken charakterisiert. Wer zahlt eigentlich die zusätzlichen 3,7 Milliarden Euro? Wer zahlt die weiteren Kostensteigerungen? Es ist schon erstaunlich, wie ein „Staatsunternehmen“ wie die Bahn mit Rückdeckung der Bundesregierung und Landespolitikern Milliarden verzocken darf.

Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf vollständige Information und auf Alternativen. Warum werden nicht alle Gutachten offengelegt? Warum wird der Baustopp und das alternative Konzept „Umstieg 21“ nicht erwogen? „Umstieg 21“ hat ein Konzept vorgelegt, das die entstandene Baugrube nutzt und einen zeitgemäßen Bahnhof für die Hälfte der Kosten von Stuttgart 21 verwirklichen kann – mit erheblich mehr Kapazität und Nutzen für den Bahnverkehr.

Wer glaubt, mit Augen zu und durch ließe sich dieses Projekt zu Ende bringen, täuscht die Menschen in der Region. Da die Bahn mehr und mehr Verluste anhäuft, werden das Land, die Region und die Stadt Stuttgart Milliarden zahlen, um ein Projekt zu beenden, das am Ende uns einen schlechteren Bahnhof beschert. Diese Mehrausgaben werden dazu führen, dass für den ÖPNV und andere Infrastrukturmaßnahmen, die dringend für den Klimaschutz notwendig sind, Mittel fehlen werden.

Und obendrein wird S 21 dem Berliner Flughafen in puncto Missmanagement noch den Rang ablaufen und als größter anzunehmenden Unfug (GAU) in die Geschichte eingehen. Das Ende des Liedes kennen wir: viele Menschen zahlen und wenige Profiteure machen Kasse.

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