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Leserbriefe

Politiker mit Ecken und Kanten

09.10.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Markus Theurer, Oberboihingen. Zum Artikel „Volksverdummung“ vom 6. Oktober. Eigentlich ist es in den letzten Jahren immer das Gleiche. Wenn einer eine klare Sprache spricht, wird sein Rücktritt gefordert. Jüngstes Beispiel Thilo Sarrazin. Warum ist das eigentlich so?

Erinnern wir uns an manche Aussagen früherer Politikgrößen, bestes Beispiel Franz-Josef Strauß: „Lieber ein kalter Krieger, als ein warmer Bruder“. Was damals kaum einen störte, würde heute das gesellschaftliche Aus bedeuten. Einerseits sehnt man sich nach Menschen, die klare Worte finden, andererseits findet man es ungeheuerlich, wenn sie es tun. Kein Wunder sind Politiker mit Ecken und Kanten eine aussterbende Art. Aber wagt es mal einer dieser aussterbenden Politiker, deutliche Worte zu finden, kommt als Erstes aus irgendeiner Ecke eine Rücktrittsforderung. Ob solche deutlichen Worte richtig sind oder falsch, wird schon gar nicht mehr hinterfragt. Das ist das Dilemma, es geht nicht mehr um die Aussage, sondern nur noch um die Person, die sie geäußert hat.

Statt die Aussage in Frage zu stellen, wird die Person in Frage gestellt. Die Moralgesellschaft riecht Blut und verlangt ihr Opfer und setzt dabei die moralische Latte immer höher. Allen voran „Spiegel-Online“.

Was mich allerdings gefreut hat, war der Leitartikel zum Thema Thilo Sarrazin. Endlich hat mal ein Journalist den Mut, dieses alberne Gehabe unserer Moralgesellschaft zu kritisieren.

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