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Leserbriefe

Offene Politikerohren?

20.04.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Lothar Roß, Aichtal. Zum Artikel Mit Aufklärung gegen irrationale Ängste vom 17. April. Es ist unglaublich, mit welcher Dreistigkeit diese fünf Herrschaften die gesamte Bevölkerung für dumm erklären: emotional, irrational, unwissend und ohne sachliche Argumente.

Emotionen sind mein gutes Recht, wenn unsere Umwelt und unsere Gesundheit aufs Spiel gesetzt werden, ohne dass wir uns dagegen wehren können, und erst recht werde ich emotional, wenn man uns für geistig unterbelichtet erklärt: Abgeordneten- und Professorentitel sind nicht zwangsläufig verbunden mit Intelligenz und umgekehrt. Dass die drei Vertreter der Hochschule das Lied von Monsanto singen (Wes Brot ich ess, des Lied ich sing), ist nicht verwunderlich, aber es sei daran erinnert, dass auch ihre Gehälter von uns Steuerzahlern bezahlt werden

Die zwei Politiker wollten sich informieren; das ist grundsätzlich nicht schlecht, wenn ich mich an die Diskussion vor der Landtagswahl erinnere: Da glänzten weder Herr Noll noch Herr Döpper mit Sachverstand über Gentechnik. Wenn man sich informieren will, sollte man aber nicht nur die Hochglanzprospekte von Monsanto und deren Lobbyisten von der FH zu Rate ziehen, sondern sich auch einmal über die Gegenargumente informieren (warum wurde eigentlich Professor Elers nicht eingeladen?). Wenn da von Unwissenheit und fehlenden sachlichen Argumenten geredet wird, kann es damit nicht weit her sein. Ein Click im Internet und es gibt Hunderte Seiten mit Gegenargumenten und Bedenken wie zum Beispiel vom Umweltbundesamt oder vom Ökoinstitut Freiburg, um nur zwei Unverdächtige zu nennen. Die reale Welt der Gentechnikpraxis sieht nämlich viel hässlicher aus als die Werbung der Agrarmultis. Das Bündnis gegen Gentechnik Nürtingen würde sich gerne bereit erklären, Frau Homburger an einem Abend mit ein paar Filmausschnitten und einer Diskussion zu zeigen, dass es sehr wohl sachliche und rationale Argumente dagegen gibt (gibt es vernünftige dafür?). Das Problem ist mittlerweile, dass es kaum noch Wissenschaftler und Institute gibt, die nicht am Geldtropf irgendeines internationalen Konzerns hängen und daher unabhängige Gutachten kaum noch möglich sind. Dann könnten wir vielleicht klären, wer hier nichts dazugelernt hat.

Frau Homburger und Herr Noll sind Volksvertreter und nicht Lobbyvertreter; deshalb erwarte ich, dass auch die Hilferufe aus dem Volk endlich einmal auf offene Politikerohren stoßen.

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