Leserbriefe

Oettinger sollte nicht nachtreten

05.08.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Emil Neuscheler, Neckartailfingen. Zum Artikel „Oettinger wirft Wiedeking Fehler vor“ vom 27. Juli. Noch ist der Deal Porsche-VW nicht in trockenen Tüchern und manche Überraschungen werden noch bevorstehen, aber die Verlierer stehen leider schon fest. Der Südwesten und besonders der Stuttgarter Raum verliert nicht nur Steuern, sondern auch erheblich an Prestige. Das Musterländle hat Narben bekommen und der Slogan „Wir können alles“ taugt nur noch zu süffisanter Auslegung. Durch Milliardenspekulationen ist der renommierte Sportwagenhersteller, die Schmiede des individuellen Autos, nicht der Massenware ins Trudeln gekommen. Das Unternehmen soll nun als zehnte Firma in den Volkswagenkonzern integriert werden.

Es fehlt zwar nicht an Beteuerungen zur Eigenständigkeit von Porsche, aber Wolfsburg wird bei allen Entscheidungen ein wichtiges Wort mitreden. Schließlich geht es auch um Arbeitsplätze, denn man wird zukünftig in manchen Sektoren kaum zweigleisig weiterfahren. Der Vorgang wirft ein sehr schräges Licht auf die deutsche Industriepolitik. Während in Stuttgart absolute Sprachlosigkeit herrschte, war man in Hannover um so rühriger. Wulff setzte sich vehement, nicht immer mit Samthandschuhen, für die Interessen von VW ein und ritt eine Attacke nach der anderen gegen Wiedeking und Betriebsrat Hück. Er konnte sogar die Kanzlerin vor seinen Wagen spannen. Sie intervenierte in Brüssel gegen die Aufhebung des LEX-VW, das dem Land Niedersachsen eine Sperrminorität sichert.

Eigentlich ist ihr Verhalten unverständlich, denn strikte Neutralität wäre das Gebot der Stunde gewesen. Aber unser Ministerpräsident hält sich vornehm zurück. Nur dem Wirtschaftsminister Pfisterer platzt der Kragen und er kritisiert aufs Schärfste das Verhalten in Berlin. Anscheinend hat man im Kanzleramt an der Spree für die Südstaaten südlich der Mainlinie nicht das notwendige Gespür und zu wenig Freunde. Wenn der sogenannte Mittelstandsbesuch bei einem fünfzigköpfigen Unternehmen in Krauchenwies als Wiedergutmachung gelten soll, dann ist das ein sehr durchsichtiges Manöver. So verkommt die Politik zur Farce. Natürlich sind fähnchenschwingende Schulkinder immer gut für ein volksnahes Image. Schließlich wird in zwei Monaten gewählt. Das sollte sich auch unser Herr Oettinger zu Herzen nehmen. Nachtreten sollte nicht zum Vorbild werden. Wiedeking hat Fehler gemacht, der Porschedampfer hat Grundberührung. Er muss so schnell wie möglich wieder in sicheres Fahrwasser kommen. Alles andere ist nebensächlich.

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