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Leserbriefe

Mir sind solche Fälle nicht bekannt

28.12.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Krüger, Nürtingen. Zum Artikel „Eine alte Idee“ vom 14. Dezember.

Ich halte die gedankliche Verbindung von Arbeitshäusern vergangener Jahrhunderte mit den aktuellen Hartz-IV-Gesetzen, so wie in der Kolumne dargestellt, für völlig daneben. Jeder erwerbsfähige Erwachsene (wer stellt das Vorhandensein dieser Eigenschaft eigentlich verbindlich fest?) ist meiner Meinung nach zunächst für sich selbst verantwortlich. Die Redakteurin behauptet, dass jeder, der sich nicht ständig und für jede Arbeit bereithielte, das Geld gestrichen bekäme. Mir sind solche Fälle nicht bekannt. Bekannt sind mir aber Fälle, bei denen es seitens der Arbeitsagentur oder des Jobcenters Sanktionen gegen Hartz-IV-Bezieher wegen nicht eingehaltener Termine gab. Die Betroffenen beschwerten sich dann darüber, dass es Kürzungen „nur wegen nicht eingehaltener Termine“ gab.

Wie bitte? Müsste es nicht im allergrößten Interesse eines Arbeitssuchenden sein, Termine zur Findung eines Arbeitsplatzes wahrzunehmen? Angesichts eines von Handwerk und Industrie ständig beklagten Fachkräftemangels frage ich mich, warum wir in Deutschland immer noch 2,4 Millionen arbeitslose Menschen haben. Wer untersucht eigentlich, was sich hinter dieser Zahl verbirgt? Sollte es sich dabei größtenteils um Arbeitssuchende mit mangelnder Qualifikation oder um Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen handeln, die für die offenen Stellen gar nicht in Frage kommen, dann stimmte etwas mit dem System der Erfassung nicht. Ich möchte hier überhaupt nicht verallgemeinern, aber aus meiner Tätigkeit im Bereich der beruflichen Qualifikation beziehungsweise der Umschulung weiß ich, dass es auch Menschen gibt, die sich äußerst geschickt in das sogenannte soziale Netz fallen lassen und dabei noch der Meinung sind, die Alimentierung durch die Allgemeinheit stünde ihnen zu.

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