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Leserbriefe

Mir ist kein solcher Fall bekannt

10.08.2010 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Klaus Kohlhammer, Frickenhausen, Facharzt für Anästhesie. Zum Leserbrief „Organspende und der Hirntod“ vom 7. August. Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 4709 Transplantationen durchgeführt. Zirka 12 000 Menschen warteten auf ein Spenderorgan. Diese große Differenz kommt zum einen durch die in Deutschland im Vergleich zu europäischen Nachbarländern unterschiedliche Gesetzgebung zustande, wonach eine Organentnahme nur erfolgen darf, wenn ein Organspendeausweis des Verstorbenen vorliegt oder oftmals viel schwieriger – wenn mit Hilfe der Angehörigen der mutmaßliche Wille des Patienten dahingehend eruiert werden kann. Zum anderen spielt aber auch mangelnde Aufklärung und Sachkenntnis der Bevölkerung verbunden mit einer großen Portion Angst, man könne nur der Organentnahme wegen für tot erklärt werden, obwohl dies nicht der Fall ist, eine Rolle.

Herr Roß schreibt von Hirntoten, die „sich erholt und ihren Uni-Abschluss gemacht, geheiratet oder anderes in ihrem Leben angefangen“ hätten. Ohne genauere Kenntnisse der Materie muss man als Leser dieser Worte seinen Organspendeausweis vernichten, beziehungsweise man wird sich erst gar keinen zulegen. Als Notfall- und Intensivmediziner ist mir jedoch weder persönlich noch aus der Literatur ein solcher Fall bekannt! Vielmehr erfolgt die Feststellung des sogenannten „Hirntodes“ als Voraussetzung zur Organentnahme nach strengen Vorgaben des Tansplantationsgesetzes nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, die den genauen Richtlinien der Bundesärztekammer zugrunde liegen. Hiernach muss der Hirntod des Organspenders von zwei dafür qualifizierten Fachärzten unabhängig voneinander festgestellt werden. Sie dürfen weder an der Entnahme noch an der Übertragung der Organe des Organspenders beteiligt sein noch der Weisung eines beteiligten Arztes unterstehen. Diesen zwei Feststellungen müssen sich dann noch apparative oder zwei weitere klinische Untersuchungen anschließen.

Als Hirntod wird der Zustand der irreversibel erloschenen Funktionen des gesamten Gehirns, also des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms, bezeichnet. Nicht wie Herr Roß schreibt, es reiche aus, wenn „große Teile des Gehirns“ in ihrer Funktion nicht mehr nachgewiesen werden könnten. Beim Hirntod wird durch Beatmung und Medikamente lediglich Herz- und Kreislauffunktion des Verstorbenen mit dem möglichen Ziel einer Organspende künstlich aufrechterhalten. Das Gehirn ist übergeordnetes Steuerorgan aller elementaren Lebensvorgänge. Mit seinem Tod ist auch der Mensch in seiner Ganzheit gestorben. Man kann also sicher davon ausgehen, dass ein Mensch bei eingetretenem Hirntod auch tot ist. Jeder selbst Betroffene, Angehörige oder Freund eines lebensbedrohlich erkrankten Patienten, der auf ein Spenderorgan wartet, wäre froh, ein gespendetes Organ zu erhalten. Deshalb kann man aus medizinischer, aber auch aus ethischer Sicht nur appellieren, sich für eine Organspende zu entscheiden und dies noch zu Lebzeiten in einem Organspendeausweis festzuhalten.

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