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Leserbriefe

Mehr Geld für die Schulen

22.07.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jochen Findeisen, Schlaitdorf, Pressesprecher Die Linke. Zum Artikel „Suchtprävention“ vom 17. Juli. Mit Empörung nehmen wir zur Kenntnis, dass nach Auffassung der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) in den Schulen ein neues Schulfach „Lebenskompetenz“ aufgenommen werden soll, in dem unsere Kinder auch den verantwortungsvollen Umgang mit Drogen erlernen sollen. Ein neues Schulfach überfordert nach Auffassung der Linken Schulen und Schüler. Schule führt heute zu immer mehr Stress: nicht umsetzbare Lehrpläne, erschöpfte Schülerinnen und Schüler, genervte Eltern, frustrierte und überarbeitete Lehrerschaft und immer mehr Nachhilfe für diejenigen, die es sich leisten können.

Jeder zehnte Jugendliche verlässt die Schule ohne Abschluss. Die Bundesländer haben jahrelang an der Bildung gespart und die Lernmittelfreiheit abgeschafft. Sie haben zu wenig Personal eingestellt und stattdessen die Stundenzahl erhöht. Die Schule hat einen „Ausbildungsauftrag“, der Kenntnisse und Fähigkeiten für das spätere, auch berufliche, Leben vermitteln soll. Sie hat darüber hinaus auch einen „Bildungsauftrag“, um den Schülern Werte und Verhaltensweisen zu vermitteln, dasjenige, wozu sie „ausgebildet“ wurden, zum eigenen Nutzen und zum Nutzen ihrer Mitmenschen anzuwenden. Letzteres ist nur möglich, wenn dieser „Bildungsauftrag“ auch von den Eltern wahrgenommen und ergänzt werden kann. Dies ist aber nicht möglich, wenn Arbeitgeber von den Eltern umfassende Flexibilität fordern, wenn immer mehr Eltern zwei oder drei Arbeitsstellen koordinieren müssen, weil sie zu den zirka sieben Millionen „Niedriglöhnern“ in diesem Lande zählen. Hartz-IV-Empfänger werden dazu angehalten, bei Strafe staatlicher Leistungskürzungen jeden zumutbaren Arbeitsplatz anzunehmen, was mittelbar auch zu Lasten der Kinder geht.

Eltern sind auch schlechte Vorbilder, wenn sie zu den über 800 000 Arbeitnehmern gehören, die nach der neuesten DAK- Studie regelmäßig Drogen nehmen, um den Anforderungen des Arbeitslebens gerecht zu werden. Als erste Schritte der Abkehr von einer bankrotten, neoliberalen Sozial-, Arbeits- und Bildungspolitik fordern wir mehr Geld für die Schulen, mehr Lehrer und kleinere Klassen. Damit den Eltern mehr Geld und Zeit für die Erziehung der Kinder bleibt, fordern wir einen gesetzlichen Mindestlohn nicht unter 10 Euro und Verkürzung der Arbeitszeiten sowie Abschaffung von Hartz IV.

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