Leserbriefe

Marx und seine Auffassung

15.03.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Simon Kromer, Wendlingen. Zum Artikel „Das Kapital in Kürze MEW 23, 54: Diamanten“ vom 26. Februar. Zunächst möchte ich sagen, dass ich es für eine sehr gute Idee halte, „Das Kapital“ von Marx in kurzen Happen aufbereitet in der Zeitung vorzustellen. Eines der bedeutendsten Werke der gesellschaftswissenschaftlichen Literatur wird so für die Allgemeinheit aufbereitet, die es etwas besser begreifen kann. In dieser Ausgabe wird Marx’ Auffassung, dass nur die Arbeit den Dingen Wert verleihe, dargelegt. Das ist auch richtig. Wann immer Menschen handeln, geht es dabei um Dinge, denen aufgrund der Zufügung von Arbeit Wert verliehen wurde. Selbst wenn man mit Rohstoffen wie Gold handelt, müssen diese erst abgebaut werden, damit man sie weiterverkaufen kann.

Fatal war jedoch seine Folgerung, dass man deshalb den Wert der Dinge durch das Maß an Arbeit, das darin steckt, auch bestimmen könne. Das ist nämlich etwas völlig anderes. Der Wert von einem Glas Wasser bestimmt sich nicht nach der Arbeit, die es gemacht hat, dieses Wasser aus der Erde zu fördern und gebrauchsfertig aufzubereiten. Es bestimmt sich nach der Frage, ob ich, wie in unserer Gesellschaft momentan, jederzeit Zugang dazu habe, sodass ich es auch zum Autowaschen oder für ein Spaßbad verwenden kann. Deshalb kostet es hierzulande nur ein paar Cent. Wandere ich jedoch in die Wüste, wo das Wasser knapp ist, bis ich fast verdurste, wird dieses Wasser unbezahlbar.

Erdöl war bis ins 19. Jahrhundert hinein nur eine widerliche Plörre. Erst mit der Erfindung des Verbrennungsmotors wurde es selbst zu einem zentralen Motor unserer Wirtschaft. Diamanten mögen mit immer weniger Arbeit hergestellt werden, weniger als Ziegelsteine werden sie aber erst wert sein, wenn keiner sie mehr am Hals tragen möchte. Dinge sind uns nicht deshalb etwas wert, weil viel oder wenig Arbeit darin steckt – sie sind etwas wert, weil einzelne Individuen ihnen diesen Wert zuschreiben – und ihn auf Märkten untereinander aushandeln. Subjektive Werttheorien wie die der Österreichischen Schule können wirtschaftliche Zusammenhänge deshalb auch viel besser beschreiben. Wir sollten nicht vergessen, dass der Kommunismus – wenn auch aus guten Absichten, was man gerne festhalten kann – weitaus mehr Menschen auf dem Gewissen hat als Faschismus und Nationalsozialismus zusammen. Vor allem liegt das daran, dass er unsere Wirtschaft nur zu einem Teil verstehbar macht, an entscheidenden Stellen ihre Zusammenhänge jedoch vernebelt und Ressourcen daher auch falsch verteilt.

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