Leserbriefe

Leiter des Jugendamts hat nur zugeschaut

10.02.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Christian Bürk, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Kindesmissbrauch zum Flatrate-Preis“ vom 13. Januar. Die Ereignisse in Südbaden machen noch immer fassungslos. Die Mutter, die diese Bezeichnung nicht verdient, und ihr vorbestrafter Partner sind das eine. Gerichte, die eine abartige Frau und einen ebenso abartigen Schwerkriminellen davonkommen und weitermachen lassen, ohne auch nur ansatzweise hinter die Kulissen zu schauen oder schauen zu lassen, sind nur sehr, sehr schwer verdaulich.

Seit wann sticht „Familienrecht“ das Individualrecht auf Unversehrtheit (im Besonderen bei Kindern) aus? Dass aber ein Leiter eines Jugendamtes im Fernsehen auch noch zu Protokoll gibt, er habe keinen „Auftrag“ erhalten, um in dieser Sache final einzuschreiten, um das Naheliegende wirksam zu verhindern und das Kind zu retten, ist gar nicht zu ertragen. Er steht damit auf einer Stufe mit denjenigen, die an Unfallstellen Verletzten bei ihrem Leid zuschauen oder sie filmen, oder einfach abhauen, anstatt zu helfen. So jemand muss eigentlich aller öffentlicher Aufgaben und Ämter entbunden werden und Berufsverbot in diesem sensiblen Bereich erhalten. Jeder Bürger, auch dieser Nihilist, der als Staatsvertreter ja ganz besondere Fürsorgepflichten hat, hat die verdammte Pflicht zur Hilfeleistung, und zwar ab Kenntnis der Umstände beziehungsweise bei erkennbar drohender Gefahr, und nicht erst ab Befehlsempfang von übergeordneter Stelle. Man nennt es auch ganz einfach Zivilcourage.

Es würde mich nicht wundern, wenn er seine Mitarbeiter auch noch dienstlich angewiesen hat, nichts Neues zu unternehmen, solange kein (übergeordneter oder gerichtlicher) „Auftrag“ dazu vorliegt. Wenn er Familie und Kinder hat, möchte ich nicht sein Kind sein, denn ich wüsste gar nicht, ob ich ihm jemals wieder in die Augen sehen wollte. So jemand braucht bestimmt auch noch eine amtliche Bedienungsanweisung, wie man einem absaufenden Nichtschwimmer einen Rettungsring zuwirft. Schlimm, dass dies nicht der erste bekannt gewordene Fall von Versagen eines Jugendamtes bei Kindesnot und von nicht gewährter Hilfe ist – man hat wohl überhaupt nichts aus jüngstem Versagen gelernt. Oder will man nicht? Als Familienvater kann man einfach nur kotzen über solche jämmerlichen Gestalten und solche erbärmlichen Zustände.

Leserbriefe