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Kunstverdrossenheit und Bürokratie

29.11.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Fabio Dahm, Nürtingen. Zum Artikel „Holz-her-Altbau wird abgerissen“ vom 11. November.

Es ist schade, wenn eine Stadt ihre Möglichkeiten nicht ausschöpft und künstlerische Räume ungenützt lässt. Damit findet Kultur und Kunst nur in bestimmten Bahnen statt. In Museen, Theatern, festgelegten Veranstaltungen, alljährlichen Traditionen. Und das ist auch gut so. Wir Menschen brauchen das. Dieses Angebot hat sich schon lange etabliert und Nürtingen deckt somit den Standard. Ende der Geschichte?

Was allerdings schlimm ist, wenn Kunst aktiv verboten wird und das unter dem Deckmantel der Gerichtsbarkeit. Genau das ist passiert, als einer Anfrage, das alte Holzher-Gebäude durch verschiedene Künstlerinnen und Künstler als Freiluftgalerie farblich zu gestalten, eine Absage erteilt wurde. Was könnte denn in diesen Tagen spannender sein als eine temporäre Kunstausstellung im Freien? Das Gebäude wird schließlich in ein paar Wochen abgerissen. Das wäre ein kleines Highlight, den Standard mal zu heben und Spannung zu erzeugen. Wir brauchen das in diesen frustrierenden Zeiten der Unsicherheit und drohenden Lockdowns.

Die Haftbarkeit der Stadt gegenüber den Teilnehmern im Falle eines Unfalles wäre ja ein angebrachtes Argument. Die Seegrasspinnerei hat sich allerdings als Veranstaltungsträger angeboten, um die Haftung zu übernehmen. Warum dennoch ein Verbot ausgesprochen wurde, lässt sich nur mutmaßen. Kunstverweigerung? Mangelnde Begeisterungsfähigkeit? Kalkül? Persönliche Indifferenzen? Jedenfalls sehr schade für diese tolle Neckarstadt!

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