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Kritik am Kapitalismus

07.04.2011 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Helmut Weber, Aichtal. Zum Artikel „Der Kapitalismus ist durch und durch faul“ vom 26. März. Kapitalismus ist die Ordnung unter dem wirtschaftlichen Erfolg (was sich zunächst harmlos anhört) – also in der Regel die mehr oder weniger gewaltausübende Fremdbestimmung durch das Kapital – je nach politischer Behinderung. Es gibt kein Kapital ohne ursächliche Arbeit und keine Arbeit ohne Kapital (in irgendeiner Form).

Kapital und Arbeit bedingen also einander, schaffen die Produktionsmittel, um gemeinsam einen Gewinn (einen Vorteil voneinander) zu erzielen, der dann letztlich aber nur dem Kapital zugutekommt. Arbeitslohn ist nur die Würdigung des Einsatzes, nicht des Ergebnisses (auch wenn es von Arbeitgebern anders interpretiert wird). Arbeitnehmer sind also mehrheitlich nichts anderes als geprellte Wertschöpfer eines Systems, das sie am tatsächlichen Erfolg, damit auch bei der entscheidenden Unternehmensmitsprache, nicht beteiligt.

Der gemeinsame Erfolg von Arbeit und Kapital verbleibt beim Kapitaleigner und häuft dort unsozialerweise Vermögen und Leistungsvermögen, das anteilig Arbeitnehmern zusteht. Kapital kann sich immer ungehemmt ausschließlich seinen Bedürfnissen zuwenden, wobei nach den Grundsätzen der Ökonomie jedes Gemeindenken außen vor zu bleiben hat, das nicht irgendwie gewinnmaximierend sein kann.

Kapitalismus birgt demnach grundsätzlich keine soziale Moral, dient primär nicht der Gesellschaft – nur Eigeninteressen. Wir alle fühlen oder erkennen, dass die Welt um uns herum nicht in Ordnung ist, dass der soziale Frieden einer Fata Morgana gleicht, der wir durstig nachlaufen. Es ist kein Neid, es ist schlicht die Ungerechtigkeit des Systems, das uns langsam, aber sicher nach einer Lösung suchen lässt, bevor wir komplett amerikanische Verhältnisse haben (wie sie eine auf Abwege geratene FDP und EU-Bestrebungen herbeizwingen möchten): ein mehrheitlich (auf ein gesamtes Leben bezogenes) im wirtschaftlichen Sinne liberales, aber armes Volk (ohne soziale Absicherung), das nur den Traum weniger nachträumt – sich größer macht, als es ist (wobei uns Letzteres schon recht gut gelingt).

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