Leserbriefe

Kompromiss statt Lagerdenken

13.11.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bertram Till, Nürtingen. Jeder von uns hat gewisse Vorstellungen, Standpunkte. Und ich unterstelle jedem im Prinzip, dass jeder das „Beste“ möchte. Nun stellt sich die Frage, was das „Beste“ sei? Ich finde es interessant, dass zum Beispiel die SPD an Stimmen verliert, nachdem sie in die Mitte gerückt ist und nicht mehr nur „Arbeiterinteressen“ verfolgt.

Genauso interessant ist der Umstand, dass die CDU wieder in ihre Ecke rutscht, nachdem sie in der Wählergunst gefallen war, weil sie Programme in ihr Denken übernahm, die rot oder grün besetzt waren. Für oder gegen Stuttgart 21, Wörthbebauung und so weiter. Damit kann man Stimmung machen. Liegt aber das „Beste“ nicht meistens im Konsens, auch wenn es abschätzend als „Kompromiss“ deklariert wird? Ich habe Freunde von jeweils beiden Lagern. Und mir fallen in Gesprächen auch immer die Vorteile für ein Projekt ein, welches von dem jeweiligen Lager schlechtgesprochen wird.

Bei der Wörthbebauung werden nun die neuen Gräben ausgehoben. Aber gerade dies provoziert eine Schlacht. Man muss doch das Gesicht des anderen wahren und nicht nur unter die Gürtellinie zielen. Deshalb bitte ich beide Parteien, aufeinander zuzugehen und nicht eine Eskalation zu inszenieren, wie sie in Stuttgart und Nürtingen schon viel zu oft zu sehen war. Und wenn es zur Eskalation kommt, da kann sich keine Seite herausreden, jeder hatte seinen Beitrag dazu geleistet. Nur wenn man die Argumente des anderen begreift, kann man eine richtige Meinung haben.

Interessant wäre ein Projekt, in dem die Gegenseiten die Plätze tauschen müssten, Gegner die Vorteile eines Projektes vortragen und die Befürworter dagegen sprechen müssten. Nach einer solchen Prozedur wäre die Meinung wirklich frei, frei von der eigenen Festgefahrenheit. Aber wahrscheinlich hat der Kabarettist Alf Poier die Sache richtig erkannt: „Oder wenn i sog, alle Menschen sind frei, dann behaupt i jo, wenn sie alle frei sind, dass sie ja schon wieder zur Freiheit bestimmt san, obwohl’s frei san.“ Es ist wohl Wunschdenken, nicht abgestempelt zu werden, weil man für oder gegen ein Projekt ist. Es geht doch nicht um ein Lager. Meine Meinung: es geht um Nürtingen.

Leserbriefe

Nürtingen für die Enkel und Urenkel

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Freie Wähler plädieren für Investorenwettbewerb am Neckar“ vom 20. Juli sowie einigen anderen Veröffentlichungen dieser Tag.

Ich gehe bald auf die achtzig zu. Sollen Weib, Kinder und Enkel sagen, am besten kommt der Alte gleich ins Heim? Denn wenn er…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe