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Kein Zurück in die alte Komfortzone

22.09.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Kai Hansen, Nürtingen. Zum Artikel „Chance vertan“ vom 17. September. Der Redakteur Markus Grabitz sieht eine vertane Chance in der „Rede zur Lage“ der EU, die Frau von der Leyen jüngst gehalten hat. Er beklagt, dass die Bürger „angesichts von Corona und den Folgen“ keine Orientierung erhalten hätten, sondern nur Ankündigungen zum ökologischen Umbau der Union. Zwar leugnet der Kommentator den Klimawandel nicht, hält es aber für „wohlfeil“, die damit verbundenen Vorhaben zu benennen. Konkretisiert hätte er gerne, dass den Bürgern Angst und Bange genommen werden in Bezug auf ihre wirtschaftliche Zukunft. Sein Stichwort ist die „Regulierung der Autoindustrie“. Was heißt eigentlich „wohlfeil“ und wer entscheidet, worum es wirklich geht? Macht es Sinn, die Folgen der Klimakrise und Folgen von Corona gegeneinander auszuspielen? Nein, sicher nicht.

Die Wortbedeutung wird mit „platt, geistlos, abgedroschen, Redensart, einfach zu erreichen“ umschrieben. Herr Grabitz ruft Angst und Bange der Bürger auf. Ja, das kommt auf, wenn etwas Bisheriges spürbar nicht mehr weiterführt und tragfähig ist. Beispiel: Fast 40 Jahre wurden Wirtschaftsführer als „Leistungsträger“ geadelt – und sowohl die Corona- als auch die Klimakrise zeigen, dass die Zielstellungen sich verändern müssen. Angst vor „Regulierung der Autoindustrie“? Welche „Leistungsträger“ haben denn die nötigen Modernisierungen verschlafen?

Jetzt, in der Not halten ganz andere Kräfte den Laden zusammen. Es sind die Pflegerinnen, Kassiererinnen und so weiter, die bis heute auf bessere Personalausstattung und Besserstellung warten. Ob und wem Wirtschaft nutzt und dient, liegt in der Hand der Staaten, nicht der EU. Hier ist ein umfassendes Umdenken nötig.

Die derzeitige Verunsicherung ist selbstverschuldet. Sie stammt aus scheinbar unverrückbaren Dogmen, die zum Wegsehen und Polarisieren beitragen. Nur Eigennutz und Wachstum anzustreben führt in den Ruin, nicht zum gedeihlichen Wohlergehen. Wir stehen vor einem Dilemma. Die Chance, offensichtliche Probleme zu lösen, liegt in neuen Denkweisen, die sich durch offenen Austausch bilden, nicht durch Gejammer darüber, dass die altgewohnte Komfortzone schrumpft. Es führt kein Weg zurück.

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