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Ist Stuttgart 21 ein Tabu-Thema?

14.12.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reiner Essl, Nürtingen. Zum Artikel „Ist Stuttgart 21 für die Bahn noch wirtschaftlich?“ vom 7. Dezember. Stuttgart 21 hat sich so in das Bewusstsein etabliert, dass es kaum noch wahrgenommen wird, geschweige denn darüber zu reden sich lohnt. Doch nun stellt sich die Frage, ist S 21 noch wirtschaftlich. Reichlich spät diese Überlegung, zumal die Wirtschaftlichkeit und Prosperität dem alten Bahnhof abgesprochen wurde und S 21 alleine in die Zukunft führt. Es kann nicht sein, dass man S 21 aus betriebswirtschaftlichem Kalkül in Angriff genommen hat, denn wo der Break-even-Point liegt (Gewinnschwelle), also bei welcher Investitionssumme und Amortisationszeit die Gewinnphase erreicht wird, diese Aussage ist die Bahn bislang noch schuldig geblieben. Auf immer höhere Investitionssummen kam kein Hinweis, wie weit sich die Rentabilitätsgrenze nach hinten verschiebt. Also kann man das Projekt S 21 nicht nach betriebswirtschaftlichen Regeln behandelt haben, da elementare Grundlagen wie Investition, Abschreibung, Laufzeit, Deckungsbeitrag, Gewinn et cetera fehlen.

Man stelle sich vor, ein Firmeninhaber wechselt seinen funktionierenden Maschinenpark, der noch freies Leistungspotenzial aufweist, nur aus kosmetischen Gründen aus. Diese Maßnahme wäre für jede Firma gefährlich – kein Unternehmer würde diese Dummheit begehen. Warum wird der Aufwand zur Wirtschaftlichkeit erst jetzt infrage gestellt? Es könnte sein, dass S 21 nach volkswirtschaftlichem Denken etabliert wurde, wobei hier das Projekt weniger eine Rolle spielt als die Methode, in der die Sozialität vor der Ökonomie den Vortritt hat. Unter diesem Aspekt wäre S 21 sinnvoll, wenn es dem Gemeinwohl entgegenkommt. Die Bahn jedoch ist ein Unternehmen, das keine sozialen Attribute aufweist. Sie fährt auf Gewinnmaximierung wie alle Unternehmen, nur mit dem Seitenblick, dass finanzielle Ungereimtheiten auch mit dem Land, der Stadt und letztendlich mit dem Bürger verhandelbar sind.

Dies gilt auch für das Ausstiegsszenario durch Herrn Schmiedel, der drei Milliarden Euro als Verlust propagiert. Diese Summe müsste also sozialisiert werden und damit Ängste erzeugen. Es könnte durchaus sein, dass manchem Befürworter anhand der eskalierenden Summen mit der Zeit das „Grausen“ kommt und er sich in Abwandlung mit dem Wintermärchen von Heinrich Heine identifiziert, das heißt: „Denk ich an S 21 in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht!“ Verstehen könnten das alle, in diesen Zeiten, die unabsehbare wirtschaftliche Risiken verbergen.

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