Leserbriefe

Ist das moderne Europa „christlich“?

06.06.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Das Christliche wird immer mehr verdrängt“ vom 1. Juni Es ist schon merkwürdig, wie zurzeit immer wieder das „christliche Europa“ angesprochen wird – häufig im Gegensatz zum bösen Islam. Häufig ist sogar vom „jüdisch-christlichen Europa“ die Rede. Welch eine Geschichtsvergessenheit! Und bei „christlich“ denkt man immer an die milden Jesusworte in der Bergpredigt – und behauptet damit, dass das christlich geprägte Europa ein Hort von Toleranz und Menschlichkeit gewesen sei und noch ist. Aber wir wissen doch, wie die Christen nach ihrem Sieg im Römischen Reich mit den Juden umgegangen sind. Von Toleranz und Bergpredigt war da nichts zu spüren – bis in die Gegenwart hinein. Und die längste Zeit der Geschichte war in der realen Politik der „christlichen Europäer“ relativ wenig Toleranz zu spüren. Man kann da an die Kreuzzüge, die Ketzerverfolgungen, die Hexenprozesse – aber auch an die Kolonialpolitik denken.

Und die schlimmsten Kriege, die die Menschheit bisher je erlebt hat, die beiden Weltkriege, galten da die so schönen „christlichen“ Werte der Bergpredigt? Es waren Christen, die diese Kriege anzettelten und führten. Und der so gerne verteufelte Islam? Über die längste Zeit der Geschichte war er ein Vorbild an Toleranz; Christen konnten dort alleweil in hohe und höchste Stellen aufsteigen, und man lebte unten friedlich nebeneinander.

In jüngster Zeit erst hat sich das Blatt gewendet – und leider sehr gründlich. Ein Teil des Islam hat die von Europa ausgegangenen Unmenschlichkeiten übelst übernommen. Leider wahr. Woran wohl will Söder mit seinem Kreuz-Erlass erinnern – im Vorraum staatlicher Stellen in Bayern? Wirklich an den jämmerlich am Kreuz gestorbenen Jesus? Oder vielleicht doch an all die vielen Tausend Menschen, die im Namen des Kreuzes übelst ermordet wurden – zum Teil zu Hunderten lebendig verbrannt?

Es schadet nichts, wenn man sich in der Geschichte etwas auskennt – es könnte etwas vor Fehlurteilen bewahren –, wenn man das will. Übrigens: das moderne Europa ist im heftigen Kampf der Aufklärung gegen die christlichen Kirchen durchgesetzt worden. Weiß das niemand mehr? Es gründet sich nur zu einem kleinen Teil auf das Erbe des Christentums. Und: wie viele „Christen“ gehen denn noch regelmäßig sonntags in die Kirche?

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