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Leserbriefe

Immer noch skeptisch

17.01.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zum Artikel „Den Nürtinger Werten auf der Spur“ vom 15. Januar. Die Nürtinger Bürgerbefragung von 2005 war nicht „repräsentativ“. Freilich hörte man das aus dem Rathaus ganz anders. Der Mathematiker aus München (Infratest dimap), der jene Umfragen begleitete – Nürtingen war nicht die einzige „Umfragestadt“ –, bestätigte mir, dass eine Befragung, deren Rücklauf freiwillig ist, niemals repräsentativ sein kann. Die Nürtinger Umfrage sollte den Stand des Bürgerengagements feststellen, mit möglichst hohem Ergebnis. Die rücklaufenden Antworten waren aber bereits eine positive Vorauswahl. Entsprechend hoch war das erhoffte Ergebnis. Mit vollen Backen ist es in der ganzen Republik ausgerufen worden: Wir sind Sieger! „Eine Umfrage ist erst dann repräsentativ, wenn die Stichprobe zufällig gewonnen wird, der Begriff selbst ist verschwommen und kein exaktes Gütekriterium“ (Schnell, Hill, Esser: „Methoden der empirischen Sozialforschung“, Verlag Oldenbourg, München 2005, Seite 304 ff).

„Repräsentativ“ ist nämlich gleichbedeutend mit „zufällig“. Und insofern verwischt OB Heirich die Fakten, wenn er die jetzt gestartete Frühjahrsumfrage als „nicht so umfangreich wie die von 2005, aber gleichwohl repräsentativ“ bezeichnet. Es müsste heißen: Anders als 2005 tatsächlich repräsentativ, weil zufällig, und deswegen auf kleinere Stichprobe beschränkt. Überdies war die Umfrage von 2005 zu großen Teilen und wörtlich von der Stadt Viernheim abgeschrieben (die Unterlagen liegen mir vor). Änderungen und Ergänzungen waren vielfach tendenziell überfrachtet und somit wertlos.

Der jetzigen Umfrage muss man wünschen, dass sie professioneller, nüchterner und ohne Erwartungshaltungen durchgeführt wird. Bestimmte Themen lassen indessen Zweifel aufkommen. Antworten zu Erziehungskriterien sind grundsätzlich frisiert, wenn man sie nicht durch unverfängliche Methoden gewonnen hat, was umfangreiche und wissenschaftlich erprobte Vorarbeit nötig machen würde. Ebenso sind Antworten auf direkt gestellte Fragen zum gesellschaftlichen Engagement oder nach den Maßstäben der Lebensführung und des persönlichen Verhaltens immer schöngefärbt, also nicht viel mehr wert als gute Vorsätze. Ich bin sehr gespannt. Und leider immer noch skeptisch.

Leserbriefe

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