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Immer gern gesehen?

14.04.2007 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Herbert Ruff, Oberboihingen. Zum Artikel Jeder Mensch ist immer auch Ausländer vom 7. April. Zu dem an sich recht interessanten Artikel möchte ich doch noch einiges anmerken. Man ist im Ausland oft ein gern gesehener Gast, solange man dort den Absichten der jeweiligen Regierungen folgt, nämlich als touristische Zielgruppe entsprechend viel Geld im Land zu lassen. Ein Rucksacktourist, der sich im Land zum Beispiel durch Betteln aufhält, ist nirgends gern gesehen. Es wird das ägyptische Museum in Kairo erwähnt, das sehr interessant ist und zweifellos den geistigen Horizont erweitert. Was würde geschehen, wollte man versuchen, sich um den Eintritt zu drücken? Auch um die Pyramiden kennenzulernen, muss man schon für das Gelände Eintritt bezahlen.

Jedes Land ist in der Regel froh, wenn Besucher kommen, aber nur, wenn sie dem Land etwas nützen. Das darf nie eine einseitige Sache bleiben. Solche Länder sind aber auch froh, wenn die Besucher nach einer angemessenen Zeit wieder gehen. Man darf nicht vergessen, dass man immer nur ein Fremder bleibt, auch wenn man glaubt, man sei willkommen. Wie man unter solchen Umständen gerne Ausländer sein will, bleibt mir ein Rätsel. Vor einiger Zeit sah ich einen Fernsehfilm zu diesem Thema. Da ging es darum, dass ein Ehepaar viele Jahre im Ausland immer im gleichen Ort ein Ferienhaus mietete und dort auch gern gesehen war, weil sie die einheimische Wirtschaft und somit Arbeitsplätze förderten. Es gab keinen anderen Grund, gern gesehen zu sein. Etwas anderes zu glauben ist ziemlich naiv. Weil es dem Ehepaar so gut gefiel, beschlossen sie eines Tages am Ende ihres langen Sommerurlaubs, für immer dort zu bleiben. Die Läden und Gastwirtschaften schlossen allmählich. Die Einheimischen wunderten sich anfangs, warum die Leute nicht abreisten. Sie waren zwar immer noch freundlich zu ihren Gästen, mit der Zeit aber wurden sie misstrauisch, denn niemand hatte sie für so lange Zeit eingeladen. Dieses Misstrauen schlug dann in Feindseligkeit und schließlich in Hass um. Die Einheimischen wollten nach der langen Urlaubssaison wieder unter sich sein. Dies hatte das Ehepaar nicht beachtet. Sie drangen dort ein, wo sie eigentlich nur als zahlende Gäste willkommen waren.

Man darf sich nicht einbilden, nur weil man ein netter Mensch ist, im Ausland gern gesehen zu sein. Man sollte schon seinem Gastland in irgendeiner Weise nützlich sein. Auch das gilt nur bedingt, wie die Ermordung des deutschen Ingenieurs, der für eine Hilfsorganisation in Afghanistan tätig war, gezeigt hat.

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