Leserbriefe

Hindenburg schaffte „alternative Fakten“

19.02.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Adrian Ender, Nürtingen. Befremdlich, 14 Straßen im Landkreis schmücken sich mit dem Namen des militaristischen Fossils Paul von Hindenburg (1847-1934). Der populäre Stabs-„Held“ des Ersten Weltkriegs kreierte im November 1919 die perfide Dolchstoßlegende – „alternative Fakten“, die zur Zerstörung der Weimarer Republik beitrugen. Wider besseren Wissens log er, das kaiserliche Heer sei im Felde unbesiegt geblieben, aber von Feinden in der Heimat erledigt worden, von streikenden Arbeitern und pazifistischen Sozialdemokraten.

Zur Reichspräsidentenwahl 1925 noch vom reaktionären Parteienblock als Ersatzkaiser auf den Schild gehoben, gewann Hindenburg die Wahl 1932 mit Stimmen der Katholiken, Liberalen und von ihm verachteten Sozialdemokraten. Zwar setzten seine Präsidialkabinette die Demokratie außer Kraft, Hindenburgs Kontrahenten Hitler und Thälmann (KPD) waren für Anhänger der Republik jedoch keine wählbaren Alternativen.

1000 Jahre „Vogelschiss“ nahmen am 30. Januar 1933 ihren Anfang. Hindenburg ernannte Hitler zum Reichskanzler und unterzeichnete bald dessen Ermächtigungsgesetz. Am Tag von Potsdam, als der Führer ihm kriecherisch huldigte, füllten sich Hindenburgs Augen mit Tränen der Rührung. Der Greis fand Gefallen an der Zeitenwende, denn „jetzt sei ein für alle Mal mit der Wählerei Schluss“.

Im „Rechtsversifften“ wird dem Hindenburg wohl auch dieser Tage manch Lorbeerkranz geflochten. Eventuell dräuen bereits wieder restaurative Tendenzen. Das Werteunion-Grüpplein liebäugelt mit der AfD. In Thüringen wahren die CDU und FDP Äquidistanz gegenüber De-facto-Sozialdemokraten Ramelow und völkischem Nationalisten Björn Höcke. Noch bestimmen in Deutschland ultrakonservative Figuren wie Beatrix von Storch nicht die Richtung. Den verstaubten Antidemokraten Hindenburg sollte man im Orkus versenken und nicht mit Straßennamen würdigen. Aufklärende Zusatzschilder sind das Mindeste.

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