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Hausaufgaben hat Frau Eisenmann verpennt

30.01.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, NT-Roßdorf. Die Wissenschaftler fürchten die Corona-Mutanten aus dem Ausland. Dennoch sind über Weihnachten täglich an die 50 000 Deutsche auf die Urlaubsinseln geflogen. Tausende Dienstleister, Einzelhändler und Gastronomen driften in den Ruin, obwohl sie in einen Desinfektionsstandard investiert haben, der nur noch durch das Tragen von Ganzkörper-Kondomen zu übertreffen wäre. Die „Novemberhilfen“ ruhen auf Aktenstapeln oder stecken im Online-Infarkt.

Nach 20 Uhr darf man nicht mehr auf menschenleerer Straße frische Luft schnappen gehen. Aber in den beiden Aufzügen unseres Hauses, die 20 Etagen bedienen, gibt es laut Ordnungsamt keine rechtliche Handhabe gegen Unbelehrbare, die grinsend ohne Mundschutz auf und ab fahren.

Frau Merkel aus Berlin sagte am Sonntag in einer CDU-internen Videokonferenz: „Uns ist das Ding entglitten. Wir müssen noch strenger werden, sonst sind wir in 14 Tagen wieder da, wo wir waren.“ Aber Frau Eisenmann aus Stuttgart will ab Montag die Kitas und Grundschulen wieder aufmachen. Ihre Schulpolitik hat einen Sommer lang die Hausaufgaben verpennt und bekämpft die Virenausbreitung durch Ohren-anlegen-und-durch. Die blasseste Kultusministerin des Landes, seit ich 1969 als Lehrer in den Schuldienst getreten war, möchte nämlich den Ministerpräsidenten beerben. Und dazu braucht sie die Stimmen verzweifelter Eltern.

Gleichzeitig ist die Medius-Klinik auf dem Säer ein Hochsicherheitstrakt geworden. Die Populisten aller Couleur beten ihre Verschwörungstheorien rauf und runter. Und gewissenlose Diktatoren verharmlosen die weltweite Katastrophe aus sicherem Abstand ihrer marmornen Luxusschlösser. Und jetzt warten die Bedürftigen auf Impftermine. Während ich dieses schreibe, haben laut Impf-Watch erst 1 597 281 die Erstimpfung und 248 197 die Zweitimpfung erhalten. Schuld sind aber immer die anderen. Also beten wir weiter: Herr schmeiß Hirn ra.

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