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Gespaltene Zungen in trauter Eintracht?

29.09.2014 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Manuel Werner, Nürtingen. Vor einem Jahr kritisierte Grünen-MdB Tom Koenigs beim Koalitionsvertrag, dass „CDU/CSU und SPD Mazedonien, Serbien und Bosnien zu sicheren Drittländern“ erklärten. „Menschen, die von dort nach Deutschland kommen, haben keinerlei Anspruch auf Schutz und werden umgehend zurückgeschickt. Diese Erklärung schockiert und sie steht in krassem Widerspruch zur Behauptung, die Koalition würde sich zu einer ‚konsequenten Einhaltung menschenrechtlicher und humanitärer Standards‘ in der Asylpolitik bekennen.“

Zwei Tage bevor Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Eintracht mit SPD, CDU und CSU deren Position im Bundesrat durchsetzte, betonte Koenigs noch, jeder Asylbewerber müsse gleich behandelt werden, dies gelte auch für Roma. Zwei Tage nach Kretschmanns Coup stärkte Koenigs die zuvor krass angefeindete Position, er könne sich „vorstellen, dass ein Ministerpräsident, der für das ganze Land sprechen muss, da zu einer anderen Einschätzung kommt“.

Am Tag der Bundesratsabstimmung eröffnete Bischof Gebhard Fürst die interkulturelle Woche und wertete Kretschmanns „Asylkompromiss“ als ein „Signal in die richtige Richtung“, somit unsolidarisch mit Roma-Flüchtlingen, die wegen Herkunft und Ethnie ungleich als Menschen zweiter Klasse behandelt werden, dafür solidarisch mit Kretschmann!

Mit des Propheten Aufforderung „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort!“ ist jedoch nicht der Landesherr gemeint. Flankierend zur „Säuberung“ der Stuttgarter Innenstadt von kriminalisierten Demütigen munitionieren Schwester Margret vom dortigen Tagestreff und Karin Volland von der Wärmestube das Trommelfeuer der Diffamierung und Ausgrenzung. Sie schildern der Presse ethniziert das negative Verhalten Einzelner.

Zum Glück gibt es in diesen Organisationen und Kirchen in Nürtingen auch aufrechte Vertreter, die Roma nicht ausgrenzen und den Ärmsten unter ihnen wie anderen auch helfen. Hätten all die einträchtig im Stich Lassenden so gehandelt, wenn es statt um Roma um jüdische Kontingentflüchtlinge ginge, die seit 1991 eingeladen sind, hunderttausendfach aus der ehemaligen Sowjetunion zuzuziehen? Dabei wurden Juden wie Roma in Serbien wie in Russland ermordet. Ist Antiziganismus weiter verbreitet als Antisemitismus? Ist „Roma unerwünscht!“ etwas anderes als „Juden unerwünscht!“ und damit weniger verabscheuenswert?

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