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Gesellschaft muss reagieren

03.04.2009 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bernd Hess, Nürtingen. Nach dem Amoklauf von Tim mit dem schrecklichen Ausgang wird eine Frage niemals zu beantworten sein: „Warum?“. Vor allem die Aussagen unserer Politiker, was jetzt alles verboten werden muss, zeigt letztendlich nur deren Hilflosigkeit. Es ist mehr als verständlich, wenn sich die Angehörigen mit einem offenen Brief an die Landesregierung wenden und unter anderem fordern, die Kinder besser zu beaufsichtigen, wie auch schärfere Gesetze und Verbote.

Wir können trotz all der Wut, dem Schmerz und der Trauer nach dieser Tat die Welt nicht zurückdrehen. Die Kommunikations-Möglichkeiten haben sich verändert. Diese Veränderungen haben auch ihre Schattenseiten. Man denke nur daran, dass der Tod von Tim mit einem Handy aufgezeichnet wurde und nur wenig später im Computer abrufbar war. Diese Möglichkeiten aber für solche Taten verantwortlich zu machen ist zu einfach. Vermutlich sind es viele kleine Puzzleteile, die zu diesem schrecklichen Ereignis geführt haben, wie auch der verantwortungslose Umgang des Vaters bei der Aufbewahrungspflicht von Waffen.

Bevor wir nun nach schärferen Gesetzen und Verboten rufen, sollten wir uns auch deren Konsequenzen bewusst machen. Verbote führen in der Regel dazu, dass es eine Abwanderung in die Illegalität gibt. Gesetze haben ihre Grenzen, wo sie in die vom Grundgesetz garantierten Persönlichkeitsrechte eingreifen. So wollen wir es auch bei den Terrorgesetzen. Vieles von dem, was uns die Politik als Ursachen suggeriert, trifft auch auf viele andere Jugendliche zu, wenn wir die Pressemitteilungen über Kinderarmut, Jugendkriminalität und Erziehungsprobleme lesen. Trotzdem kommt keiner auf die Idee, eine solche Tat auszuführen. Bei den über 95 gemeldeten Trittbrettfahrern muss man auch von Dummheit ausgehen, vielleicht jugendliches Imponiergehabe, weil ihnen vielleicht auch die Konsequenzen nicht bekannt sind. Können wir eine solche Tat in der Zukunft verhindern, fragen sich viele Eltern in dieser Zeit. Darauf wird es wohl nie eine Antwort geben. Eine Antwort wäre immer nur auf diese eine Tat zu beziehen.

Was können wir dann tun? Eine Gesellschaft schaffen, in der die Jugendlichen eine Perspektive haben, die dann wieder von wenigen kapitalgierigen Managern, wie diesmal aus der Finanzbranche, torpediert wird. Wir können unseren Kindern versuchen ein Zuhause zu geben, in dem sie sich wohlfühlen und das Gefühl haben, mit ihren Problemen nicht allein gelassen zu werden, und hoffen, dass es, wo immer es dies nicht gibt, die Jugendlichen jemanden finden, der ihnen zuhört.

Leserbriefe

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