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Gefühl von Angst und Ohnmacht steigt hoch

27.03.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Monika Stoitzner, Nürtingen. Zum Artikel „Einsturzgefahr am Bahnsteigdach nach Abriss-Panne am Südflügel“ vom 20. März. Ein Bagger beschädigt eine tragende Säule beim Abriss des Südflügels am Stuttgarter Hauptbahnhof. Es gibt keine Verletzten und Toten, nur die Gleise 15 und 16 müssen bis auf Weiteres gesperrt werden. Gott sei Dank!

Während die Abrissmaschinen weiter mit entsetzlichem Lärm ihr „Werk“ fortsetzen, hat sich über den gegenüberliegenden Teil des abgeholzten Schlossparks seit Tagen eine gespenstische Stille ausgebreitet. Von meterhohen blickdichten Zäunen wird das „geschützt“, was vom Park übrig geblieben ist, eine Wüste mit Baumstümpfen und zerwühlter Erde. Fassungslos traurig und mit Tränen in den Augen stehen die Parkschützer vor diesem Werk der Zerstörungswut. Was sollen sie noch schützen?

In Berlin leistete am Freitag der neue Bundespräsident Gauck seinen Eid. Er will „seine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden“. Bei seiner Ansprache fließen Worte von Freiheit, Gerechtigkeit und Freude salbungsvoll und leicht über seine Lippen. Kurz zuvor erlebte ich, wie nach Ende der Montagsdemo gegen Stuttgart 21 der Heimweg von Polizei und Fahrzeugen hermetisch abgesperrt wird. Wie ganze Abordnungen von jungen Polizisten durch die Straßen und Plätze traben. Wie Polizeibusse mit Blaulicht und quietschenden Reifen durch die Königstraße fahren. Wie der Bahnhof, der Zugang und die Gleise abgesperrt und überwacht werden.

Ein Gefühl der Angst und Ohnmacht steigt in mir hoch. Sind wir Verbrecher, weil wir immer noch friedlich, zwar lautstark, für etwas auf die Straße gehen? Weil wir unsere Bedenken vorbringen? Weil wir Ungereimtheiten und Missstände bei Stuttgart 21 anprangern, eben nicht nur wegen eines Bahnhofes?

Ist es nicht so, dass die andere Seite Angst davor bekommt, dass die Bürger sich nicht mehr alles gefallen lassen? Ist aber jetzt zu befürchten, dass der Staat sich langsam zu einem Polizeistaat entwickelt, der mit seinem Machtapparat versucht, die Menschen mundtot zu machen, nach dem Motto: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht? Wo bleibt die Freiheit, Gerechtigkeit und Freude eines guten und selbstbestimmten Lebens des Miteinander und Füreinander? Wird das Kapital die Oberhand gewinnen? Ich kann nur sagen: Wehret den Anfängen!

Leserbriefe

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