Leserbriefe

Gedanken zum interreligiösen Dialog

29.11.2019 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Martin Koch, Nürtingen. Zum Artikel „In göttlicher Mission“ vom 25. November. Schön, wenn Menschen miteinander reden, statt dies übereinander zu tun. Wenn dies in Offenheit und mit der Bereitschaft passiert, sich gegenseitig auch unbequeme Themen zuzumuten, wunderbar.

Bei der Lektüre des Artikels entsteht bei mir als Leser allerdings der Eindruck, dass hier jede Glaubensgemeinschaft versucht sich ideal darzustellen, wenn auch humorvoll, und keiner den jeweils anderen mit schwierigen Themen konfrontieren will. Offensichtlich verbindet alle Vertreter die Überzeugung, dass im Universum übernatürliche Kräfte wirksam sind! Persönlich finde ich es einigermaßen unerträglich, dass den Mitgliedern des Moscheevereins hier einmal mehr eine Bühne bereitet wird, auf der sie ihre unzweifelhaft sehr konservative Auslegung des Koran vortragen können.

Die Mevlana-Moschee wird nicht von ungefähr seit Jahren vom Verfassungsschutz des Landes Baden-Württemberg beobachtet. Den Koran auswendig zu lernen, wird vom Autor als erstaunliche Leistung bezeichnet. Klar ist es mit Leistung verbunden, Koran, Bibel oder Thora auswendig zu lernen. Wer dies tut, liest darin aber auch schreckliche Zeilen, die von einem Gott der Rache erzählen und potenzielle Gegner beziehungsweise Ungläubige der Verfolgung oder Vernichtung anheimgeben.

Ich hoffe, dass diese Form des Koranstudiums in der Moschee nicht Kindern und Jugendlichen abverlangt wird! Viel lieber würde ich hören, wenn die Anhänger der anwesenden Religionsgemeinschaften ihren Glaubensbrüdern und schwestern nahelegen würden, die Erklärung der allgemeinen Menschenrechte oder das Grundgesetz mit seinen Freiheitsrechten so intensiv zu studieren wie die jeweilige „Heilige Schrift“. Beeindruckt hätte mich eher die Nachricht, dass die wunderschönen Texte des islamischen Mystikers Rumi oder des christlichen Meisters Eckhart auswendig gelernt und für die jungen Gläubigen zugänglich gemacht werden. Ich halte es da gerne mit dem Aufklärer aus dem 18. Jahrhundert Georg Christoph Lichtenberg, der in seinen herrlichen Aphorismen meint: „Ich danke dem lieben Gott jeden Tag, dass er mich zum Atheisten werden ließ!“

Leserbriefe

Wasen-Pläne noch mal genau überdenken

Anke Gottschling, Nürtingen. Zum Artikel „OB legt sich für die Wasen-Pläne ins Zeug“ vom 28. November. Ich und meine zwei Kinder wohnen sehr gerne in Nürtingen am Neckar. Mit Erschrecken habe ich kurz vor der Sitzung am 26. November im Rathaus und dann auch dort von den Plänen für den Wasen…

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