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Flüchtlingsdebatte wird angeheizt

23.12.2016 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Klaus-Dieter Tempel, NT-Neckarhausen. Es wundert mich, dass der Mord an einer Joggerin in Freiburg die Flüchtlingsdebatte belebt hat. Der mutmaßliche Täter war ein 17-jähriger Afghane. Das ist schlimm und traurig, aber die Sache selbst ist doch nicht typisch für Flüchtlinge. Es wird nach verschärften Kontrollen gerufen und nach mehr und konsequenteren Abschiebungen. Wir sollten aber nicht vergessen, dass leider in jedem Land der Welt, also auch bei uns in Deutschland, vergewaltigt und gemordet wird. Jedes Jahr gibt es auch durch deutsche Täter zu viele Opfer und es waren zwei 17-jährige Deutsche, die vor wenigen Jahren die schlimmsten Mordtaten verübten.

In Erfurt und in Winnenden haben sie jeweils mehr als ein Dutzend Menschen in einem entsetzlichen Amoklauf umgebracht. Das geschah, obwohl sie in einem friedlichen Umfeld in unserm Land aufgewachsen waren. Es waren 18 und 15 Opfer. In Syrien, im Irak und in Afghanistan sind die Gegebenheiten ganz andere. Von klein auf müssen Kinder und Jugendliche erleben, dass ein Menschenleben nichts wert ist. Und viel zu oft werden sie direkte Zeugen der Bluttaten.

Der junge Afghane in Freiburg muss nach unseren Gesetzen verurteilt werden, doch Anlass, die Flüchtlinge für eine besonders gefährliche Menschengattung zu halten, besteht nicht. Herr Strobl und andere Rufer nach mehr Abschiebungen sollten sich zweierlei klar machen: Menschen, auch ganze Familien, die das rettende Ufer hier erreicht haben, wieder in Not und Elend, in den stets lebensbedrohlichen Alltag ihrer Heimat abzuschieben, sie unangekündigt nachts aus den Betten zu holen, ist ein Menschenrechtsverbrechen.

In dieser Woche begannen Abschiebungen in größerer Zahl. Auch ein seit 20 Jahren hier lebender Afghane sollte dabei sein. Im letzten Augenblick konnte das verhindert werden. Er sollte endlich eingebürgert werden statt ihn abzuschieben. Und zum anderen ist es eine Illusion zu glauben, die Abschiebungen würden uns auch nur einem kleinen Schritt zur Lösung des Flüchtlingsproblems näherbringen. Aus dem Munde von Politikern hören wir immer wieder: Fluchtursachen beseitigen.

Ja, das wäre richtig und wichtig, doch dass es geschieht, ist nirgends zu erkennen.

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