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Flächenversiegelung: nicht einfach weiter so

31.07.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Odd Axel Prütz, Nürtingen. Zum Leserbrief „Hauptsache Neubau auf der grünen Wiese“ vom 12. Juli.

Der Leserbrief trifft auf meine volle Zustimmung. Ich wohne seit 25 Jahren in Nürtingen und beobachte mit Unbehagen, wie kontinuierlich grüne Flächen durch Neubau- und Industriegebiete sowie Parkplätze für immer versiegelt werden. Als Begründung hört man die Schlagworte Wohnungsnot beziehungsweise Arbeitsplätze. Dabei gibt es bezüglich Wohnen viele gute Alternativideen, wie man vorhandene Gebäude oder belegte Flächen effektiver umgestalten könnte. Bezüglich Arbeitsplätzen bezweifle ich bei vielen neu entstandenen gewerblichen Bauten, ob da wirklich so viele Arbeitsplätze für Nürtinger Bürger entstanden sind. Wenn man den Flächenverbrauch im Umfeld von Nürtingen, so wie ich ihn die letzten 25 Jahre erlebt habe, in die Zukunft extrapoliert, wird es nur noch wenige Jahrzehnte dauern, bis sich von Zizishausen bis Neuffen und von Reudern bis Wolfschlugen ein einziges zusammenhängend bebautes Gebiet erstrecken wird. Für jeden Naturliebhaber eine Horrorvorstellung!

Es geht hierbei aber nicht um Gefühlsduselei. Wie aus aktuellen Bildern von Überschwemmungen in Deutschland zu sehen, sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen, wenn Flächenversiegelung voranschreitet. Negativbeispiele gibt es im Nürtinger Umfeld leider viele. Ganz aktuell verschwinden zum Beispiel Grünflächen neben dem ehemaligen Technischen Rathaus, wo vor wenigen Jahren zunächst ohne ersichtlichen Grund uralte Bäume abgeholzt wurden – für neue Parkplätze und Garagen. Dabei liegt dies genau in der kritischen Zone des Tiefenbach-Einströmbereichs, über den wegen möglichem Hochwasserrisiko gerade viel diskutiert wird.

Mir scheint, als wären viele Leute blind für diese schleichende Katastrophe, die um uns herum passiert. Ähnlich wie beim Klimawandel, bei dem die 1,5-Grad-Grenze nicht verhandelbar ist, rege ich hiermit an, eine Diskussion über einen absoluten Neubaustopp auf Grünflächen regional und überregional zu beginnen.

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