Leserbriefe

Es ist noch längst nicht alles gesagt

24.11.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Elfriede Steckroth, Neckartailfingen. Zum Artikel „Im Pfarrhaus missbraucht“ vom 17. November. Aufgrund einer völlig verfehlten Sexualmoral – auch heute noch – konnte Derartiges ungehemmt ausgelebt und dann der Mantel des Schweigens ausgebreitet werden. Das ist das Gegenteil von Nächstenliebe. Sexualität wurde mit dem Leben in nur jeder erdenklichen Art und Weise auf dieser Erde geschaffen, das sehen wir auch an den Tieren. Um sie in eine Form zu geben, gibt es die Ehe – gedacht für Mann und Frau. Das Leben hält sich aber nicht an Vorgaben, das wissen wir längst und trotzdem ist es Leben.

Man kann es durchaus als großen Fortschritt verzeichnen, dass es eben mehr Formen von der sogenannten „Ehe“ gibt, was auch immer darunter zu verstehen ist. Es sollte nicht (nie) tabuisiert werden. Am allerwenigsten in den Kirchen, denn gerade da gehört es auch hin. Bei den Nationalsozialisten wurden „Andersartige entsorgt“, alles was nicht ihrer Norm entsprach, sollte keinen Platz mehr haben auf dieser Welt. Das ist wohl die größte Perversion. Aber ebenso schuldig sind die Weghörer und Wegschauer, die ewig Guten, die Dauerkinder, die nach ihren ach so hehren Moralvorstellungen meinen zu wissen, was gut und nicht gut ist. Das ist leider auch heute zum Teil noch so. Anders sein wie alle anderen ist schlecht. Natürlich ist Normalität erstrebenswert – unbedingt –, nur eben nicht immer möglich.

Auch der Drang, Kinder zu missbrauchen, ist eine Form der Sexualität – nur eine sehr verfehlte. Heute weiß man, wie dringend diese Menschen Beistand brauchen. Aber dazu muss es ausgesprochen werden und jemand da sein, dem man sich anvertrauen kann und der Hilfe anbietet. Der Dreck, den man unter den Teppich kehrt, der kommt irgendwann zum Vorschein – im Bilde gesprochen.

Gleichgeschlechtliche Liebe gab es zu allen Zeiten. Sie heute immer noch als Sünde zu bezeichnen ist ein weiterer Fehler. Es gibt viele Facetten. Andere zu versklaven zur eigenen Bedürfnisbefriedigung ist immer verwerflich und zutiefst unchristlich. Längst ist nicht alles gesagt und geklärt. Immer wenn andere, Unbeteiligte leiden und Opfer sind, läuft grundlegend etwas schief. Vor allem diejenigen, die anderen helfen wollen und „Seelsorger“ sein wollen und sollen, müssen uneingeschränkt zu sich und ihren eigenen Schwächen stehen und, wenn nötig, selbst Hilfe in Anspruch nehmen, sonst können sie großen Schaden anrichten.

Leserbriefe

Nürtingen sollte die Chance nutzen

Maike Pfuderer, Stuttgart. Zum Artikel „Neckarufer-Bebauung auf Eis gelegt“ vom 14. Februar. Mit großer Freude las ich vom Beschluss des Gemeinderats, sich doch wieder auf die Seite der Bürger zu stellen und den Platz auf dem Melchior-Areal bis auf Weiteres so zu belassen. Investoren sind eben…

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