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Erziehende sind ein rares Gut

07.06.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Heinz Vogel, Oberboihingen. Zum Artikel „Eltern fordern mehr Transparenz“ vom 27. Mai.

Ich will einmal den Versuch einer Erklärung des Problems wagen. Der Kinderkrippen- (Alter ein bis drei Jahre) und Kindergartenbetrieb ist die größte Herausforderung für eine Kommunalverwaltung. Wie viel Kinder kommen, in welchem Alter, mit welchem Betreuungsbedarf an Tagen, Stunden und Uhrzeiten? Zu der Eröffnung einer Kindergartengruppe bedarf es der Genehmigung des KVJS (Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg).

Hierzu gehört die Festlegung der vorgesehenen Betreuungszeiten, der maximalen Anzahl der Kinder pro Gruppe und der Altersgruppe. Daraus ergeben sich dann die Mindestanzahl von Erziehenden, die Raumausstattung und, ohne Übertreibung, die Anzahl und der Durchmesser der Klodeckel. Erst wenn die Bedingungen inklusive der unter Vertrag stehenden Betreuenden nachgewiesen werden können, wird diese Kindergartengruppe genehmigt und kann in Betrieb gehen. Dauer hierzu unter derzeitigen Bedingungen circa ein halbes Jahr. Läuft diese Gruppe dann an und eine Erzieherin wird schwanger oder kündigt, ist diese Gruppe ab diesem Tag nicht mehr genehmigungsfähig. Ersatz und Überkapazitäten an Erziehenden sind ein rares Gut.

Kurzfristige Abhilfe geht nur durch Anpassung des Betreuungsmodells an den vorhandenen Personalbestand. Meine Erfahrung ist, dass die Erziehenden alles in ihren Möglichkeiten Stehende leisten, um solche Situationen durch ihren Einsatz auszugleichen, weil sie wissen, dass ein verlässlicher Kindergarten für berufstätige Eltern elementar ist. Aber das geht nur kurzfristig, sonst steht der KVJS an der Tür und schließt die Gruppe. Anpassungen sind notwendig oder es muss mit „Reservepersonal“, das wegen Mangel an Erziehenden auch nicht vorhanden ist, ausgeglichen werden.

Eine Kommunalverwaltung hat hier leider „einen sehr kurzen Hebel“ und das führt zu solchen Situationen. Jetzt doch noch der Ansatz einer Lösung. Mehr Erziehende einstellen als man braucht, so man hat. Aber da kommt dann gleich das nächste Thema ins Spiel: „Kindergartenbeiträge“. Jetzt sind wir wieder bei der größten Herausforderung für die Kommune.

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