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Enttäuscht von Stadt und Heimatbund

18.09.2010 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Professor Dr. Wolfram Blind, Linden. Zum Artikel „Zondler-Gedenkstätte im Blockturm“ vom 22. Juli. Ottokarl Zondler kannte ich seit der Volksschule. Wir besuchten miteinander die Oberschule, studierten gemeinsam in Tübingen, waren beide bei der TG Nürtingen und wohnten beide in der Schellingstraße. Ottokarl und ich waren beste Freunde. Dass ich im Zondler’schen Haus ein und aus ging und auch seinen Vater bestens kannte, sein künstlerisches Schaffen über viele Jahre mitverfolgte, war die Konsequenz dieser Freundschaft. Unzählige Male saß ich neben Otto Zondler, als er mit Pinsel und Farbe ein Porträt entstehen ließ. Ich sehe ihn noch vor mir, als wäre es gestern gewesen, wie er sein „Lisele“, seine einzige Tochter, mit weißer Schleife im Haar malte.

Mit dieser heute noch sehr lebhaften Erinnerung muss ich erfahren, dass für den Nachlass von Otto Zondler eine Gedenkstätte im Blockturm eingerichtet werden soll, in der so gut wie keine Bilder gezeigt werden können, da 15 Quadratmeter Fläche dies nicht zulassen. Stattdessen soll eine Medienstation eingerichtet werden, in der Filme und Tonbandaufnahmen vorgeführt werden, die die Biografie und Schaffensperioden aufzeigen. Ich finde diese Art der Präsentation würdelos, die dem eigentlichen Anliegen Ottokarl Zondlers, der dem Heimatbund sein elterliches Haus (!) mit der Auflage vermacht hatte, eine Gedenkstätte für den Nachlass seines Vaters zu errichten, widerspricht. Otto Zondlers Nachlass sind in allererster Linie Bilder, die seine künstlerischen Fähigkeiten mit den verschiedenen Schaffensperioden zu erkennen geben.

Ich halte die vom Heimatbund im Dachgeschoss des Blockturms geplante Präsentation für völlig ungeeignet und in keiner Weise dem entsprechend, was mit den Bildern erreicht werden könnte. Auch nicht dem entsprechend, was der Heimatbund durch den Verkauf des Elternhauses erlöst hat. Ottokarl Zondler wäre maßlos enttäuscht und hätte niemals sein Einverständnis für den Blockturm gegeben. Ich kann dies behaupten, denn wie oft und dies bis kurz vor seinem Tod haben wir über den Nachlass, über den Verbleib der Bilder gesprochen. Ich riet ihm mehrmals dazu, sich mit der Stadtverwaltung darüber ins Benehmen zu setzen.

Ebenso enttäuscht bin ich von den Äußerungen des Betriebsausschusses der Gebäudewirtschaft Nürtingen. Der Ausschuss hat seine Zustimmung zur Gedenkstätte an die Bedingung geknüpft, dass der Stadt keine Kosten entstehen. Hat man in Nürtingen denn keinen Groschen übrig, um einer Persönlichkeit wie Otto Zondler die gebührende Ehre zu erweisen? Haben die Mitglieder des Betriebsausschusses denn keinen Sinn für Kunst und Kultur? Hat Nürtingen denn so viele Künstler, dass ein einzelner kein Geld wert ist? Als altem Nürtinger, der dorthin immer noch Freundschaften pflegt, sei mir erlaubt, meine Enttäuschung über das Verhalten von Heimatbund und Stadtverwaltung zum Ausdruck bringen zu dürfen.

Leserbriefe

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