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Endliche Basisstoffe für das E-Auto

24.07.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bernd Hummel, Nürtingen. Zum Leserbrief „E-Mobilität – eine Glaubensfrage?“ vom 6. Juli.

Die Formulierungen und Berechnungen im Leserbrief (100 Kilometer kosten 1,50 Euro) sind sehr schnell zu widerlegen beziehungsweise einzugrenzen. Die Werte, die genannt werden, setzen eine große Heim-Fotovoltaik-Anlage (circa 20 Kilowatt Peak) plus mindestens 15 Kilowatt Speicher voraus, um ein Kleinfahrzeug mit 50 Kilowattstunden Nennleistung in acht bis zehn Stunden zu laden. Dazu sollte noch die Sonne scheinen. Kosten rund 45 000 Euro.

Sobald ich mich aber aus dem heimatlichem Umkreis entferne, sieht die Realität ganz anders aus. Da kein WLTP-Wert stimmt und ein Mittelklassefahrzeug circa 25 Kilowattstunden je 100 Kilometer verbraucht einfach mal Monopolist Ionity anfahren. Aktuelle Preise 0,79 bis 0,88 Euro je Kilowattstunde. In Italien als Beispiel 0,86 bis 0,93 Euro je Kilowattstunde. Das heißt 100 Kilometer E-Auto fahren kosten mich rund 22 Euro – mit Trend nach oben sobald eine gewisse Abhängigkeit geschaffen wurde! Mit einem Diesel kosten mich 100 Kilometer 8,80 Euro bei 1,35 Euro je Liter.

Wir haben aber ein ganz anderes Problem, das kaum zur Sprache kommt. Ein EFahrzeug braucht 400 Prozent mehr Kupfer als ein Verbrenner. Kupfer (aktuell mit Weltmarkt-Höchststand notiert) gibt es nur in Südamerika und Australien in noch überschaubaren Mengen. Die E-Fahrzeuge fordern Reinkupfer mit über 99-prozentigem Reinheitsgrad. Kupfer kommt in einer Reinheit von nur 0,5 Prozent im Erz vor. Gigantische Mengen Energie werden benötigt, um Reinkupfer zu erhalten. Aktuell werden wöchentlich zigtausend Tonnen Kohle von Australien nach Chile verfrachtet – genau für diesen Zweck.

Der Energiebedarf für eine Tonne Kupfer liegt bei 278 Kilowattstunden und Millionen von Litern Wasser. Kupfer-Weltmarktführer Chile hat in nur acht Jahren den Energiebedarf um 90 Prozent erhöhen müssen, um den endlichen Kupferbedarf zu decken. Energiebedarf zu 100 Prozent abgedeckt mit importierter Kohle aus Ozeanien – das rettet die Welt oder könnten die Unwetter und Tornados eventuell ihren Ursprung auch von wo ganz anders haben? Gleiche Themen könnte man nun mit Nickel, Lithium, Kobalt, Mangan fortsetzen – alles endliche Basisstoffe, um das E-Auto, das im begrenzten Bereich sicherlich Berechtigung hat, zum Laufen zu bringen.

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