Leserbriefe

„Eine obszöne Volksabstimmung“

27.06.2014, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Stadtrat, Nürtingen. Zum Leserbrief „Melchior-Biergarten unter Vorbehalt“ vom 23. Juni. „Ich kann das alles, fürchtet euch nicht!“ – so lautete das Biergartenkonzept des aktuellen Pächters. Samt der eindeutigen Ansage: „Ich mache kein Public Viewing.“ Das gab den Zuschlag. Er predigte mit Vollmacht das Idyll am Neckar. Gekommen ist die Belagerung der Kunstakademie, Besetzung öffentlicher Wege, Gesichts- und Taschenkontrolle.

Präzise Planung war nie erkennbar. Alles Pi mal Daumen, hemdsärmelig, hingeschustert, nachgebessert. Im Sitzungssaal sagte ich zu OB Heirich, man habe drei Monate verschlafen. Darauf er zu mir: „Das sehe ich anders, also müssen wir das halt so stehen lassen.“

Seit Februar war ich an mehreren Gesprächen beteiligt, mit beliebigen Aussagen des Wirts, kreuz und quer. Von „Da will ich doch nichts verdienen, nur was Schönes für die Stadt machen“ bis zu dem dreisten Vorwurf: „Herr Wipper, Sie hängen da am Neckar rum und sprechen danach sogar mit Presse und Bauamt“. Dazu beleidigende Post in meinem Briefkasten, von Liebhabern des Biergartenwesens.

Die gastronomische Risikobereitschaft, von der Stadtrats-Kollege Brodbeck anerkennend schreibt, bestand darin: „Mal sehen was geht, bevor einer bremst.“ OB Heirich hat das dann besorgt – aber seine Verwaltung gebremst. Durch eine „verfahrensfreie Gestattung“. Nur möglich um den Preis, eben doch öffentlich viewen zu müssen. Mithin der Beschluss des Verwaltungsausschusses auf den Kopf gestellt! Die Koordination ging an das Amt 13 (Stadtmarketing), die Ämter blieben in Wartestellung, und vom Amt 13 gab es nur noch die Auskunft: „Keine Sorge, Herr Wipper, wir sind dran!“

Anfang April schrieb Stadtrat Kunzmann, die FKN „habe nun die Chance, ins Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken“. Und wie! In einer gedankenlosen Masseninvasion, die unser aller Vorfreude auf einen idyllischen Biergarten vernebelt hat. Fußballenthusiasten entleerten sich mitten im „Garten-Eden“-Projekt, und die Salmiak-Schwaden zogen durch die Keramikabteilung, ehe sie zum Himmel stanken. Eine obszöne Volksabstimmung, mit den Füßen und vollen Blasen.

Leserbriefe

Die zwei Seiten der Medaille

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