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Ehrenbürger Hitler und der Gemeinderat

27.12.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Thomas Bitzer, Kirchheim. Selbstverständlich soll die demokratische Haltung der Gemeinde Neckartenzlingen nicht in Zweifel gezogen werden. Gleichwohl ist es verblüffend, mit welcher Beharrlichkeit man sich, um Adolf Hitler die Ehrenbürgerwürde nicht abzuerkennen, hinter der Rechtsauffassung verschanzt, einem verstorbenen Ehrenbürger könne man die Ehrenbürgerwürde nicht mehr entziehen.

Dabei ist diese Ansicht in der breiten Öffentlichkeit weithin unbekannt und findet in der kommunalen Praxis kaum noch Beachtung. So haben zum Beispiel Stuttgart und Berlin ihren nationalsozialistischen Ehrenbürgern die Ehrenbürgerwürde längst aberkannt. Und es wäre doch auch in Neckartenzlingen viel einfacher, Hitler die Ehrenbürgerwürde durch Beschluss zu entziehen, als umständlich zu begründen, weshalb man das nicht tun möchte. Eine solche Aberkennung, und sollte sie auch nur symbolische Wirkung entfalten, wäre ein eindeutiges Signal und wichtiger als alle juristische Förmelei.

Durch die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde würde sich die Gemeinde Neckartenzlingen auch nicht, wie es in der Pressemitteilung aus dem Rathaus heißt, „auf einfache Art und Weise“ aus ihrer Verantwortung stehlen. Vielmehr wäre es für jeden ersichtlich, dass auch die Gemeinde Neckartenzlingen einst Adolf Hitler die Ehrenbürgerwürde verliehen hat. Durch die Aberkennung würde sie aber auch dokumentieren, dass sie die Lehren aus ihrer Vergangenheit gezogen hat, indem sie sich jetzt von diesem Ehrenbürger in eindeutiger Weise distanziert.

Vollends absurd wird es jedoch, wenn man sich den bei Wikipedia unter „Neckartenzlingen“ und „Ehrenbürger“ nunmehr erscheinenden Text zu Gemüte führt (Stand 19.12.2013). Als einziger Ehrenbürger ist dort ausgerechnet Adolf Hitler aufgeführt und zwar mit folgendem Hinweis: „Am 25. März 1933 verlieh der Gemeinderat einstimmig Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft. Eine formelle Aberkennung lehnte der Gemeinderat zu Ende der 1980er-Jahre und 2013 ab.“

Diese Erklärung indiziert geradezu, dass eine Aberkennung möglich gewesen wäre, nur hat der Gemeinderat sie halt nicht beschlossen. Und dem Leser drängt sich die Frage förmlich auf, warum er das denn nicht getan hat, sogar wiederholt nicht. Bei Wikipedia werden Beweggründe für die Nichtaberkennung aber nicht ersichtlich. Und so entsteht ein höchst zweifelhafter, um nicht zu sagen fataler Eindruck, der doch gerade vermieden werden sollte. Eigentlich genau das Gegenteil von dem, was man vermutlich sagen wollte.

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