Schwerpunkte

Leserbriefe

Eher Wilhelma als Pädagogik

30.05.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Reinmar Wipper, Nürtingen. Zu Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité plädiert aktuell für die rasche Öffnung aller Schulen und Kindergärten. Nicht allein durch Wiederaufnahme des Betriebs, sondern durch Fenster auf und frische Luft! Die Verteilung des Virus durch Schwebeteilchen in ausgeatmeter Luft (Aerosole) solle mehr beachtet werden, weil sie weiter reichen als Tröpfchen aus Mund und Nase. In geschlossenen Räumen sei das Infektionsrisiko wesentlich höher als bisher angenommen. Deswegen seien Lüften und Aufenthalt im Freien stärkere Maßnahmen als Wischen und Desinfizieren.

Lehrer und Erzieherinnen sollten überdies wöchentlich getestet werden. Sie stünden im Zentrum der Infektionsketten. So könne ein Infektionsstart lokalisiert und verfolgt werden. Das müsste neu zu denken geben: in Supermärkten, Kirchen, ÖPNV, Teamsitzungen, Klassenzimmern, Orchester- und Chorproben. Anders beim Sport im Freien, weil Aerosole „in die Luft gehen“. Offene Fenster sind also stärkere Vorsorge als Sitzabstände und Masken allein.

Mehr frische Luft wäre auch im Kindergarten angesagt, denn Kleinkinder werden neuerdings wie im Käfig gehalten, Gruppen halbiert und im Garten durch Zäune isoliert. Das ist eher Wilhelma als Pädagogik. Erziehung und Bildung sind so nicht mehr möglich. Ein grotesker Ausdruck behördlicher Hilflosigkeit.

Die Anweisungen von oben überholen sich im dreitägigen Abstand: Blindekuhspiel mit dem unsichtbaren Virus. Besonders unappetitlich ist dabei, dass sich gerade diejenigen Politiker, denen Wahlen ins Haus stehen, als Krisenmanager inszenieren. Siehe Elbhochwasser und Fukushima. Dabei läuft jede Epidemie ihrer Sättigung entgegen. Irgendwann werden zwei von drei Menschen mit dem Virus Kontakt bekommen haben. Der Löwenanteil wird es überstehen, ein guter Teil davon es nicht einmal merken. Komplett verhindern kann man es aber nicht. Doch die persönliche Chance zum gesund Bleiben erhöht sich durch Einschränkung der vormals schrankenlosen Lebensgewohnheiten.

Leserbriefe

Hölderlinhaus: fragwürdig und teuer

Karl Kohler, NT-Oberensingen. Das Hölderlinhaus bleibt Hölderlinhaus und darf nicht zu Nürtingens Fall „Stuttgart 21“ werden. Nach mehr als zwei Jahren Planungszeit stellt sich mir immer mehr die Frage, warum man bei der Mehrfachbeauftragung Anfang 2018 gerade das Büro ausgewählt hat, das die…

Weiterlesen

Weitere Leserbriefe Alle Leserbriefe