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E-Fahrzeuge stehen noch ganz am Anfang

07.12.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Michael Schöttner, Wendlingen. Zum Leserbrief „Falsche Fährte bei E-Fahrzeugen“ vom 3. Dezember. Um die „alternativen“ Fakten des Leserbriefs zu hinterleuchten bedarf es ein wenig technischen Wissens und der Akzeptanz aktualisierter Studien. Aktuelle Studien zeigen, dass Elektrofahrzeuge bei weitaus weniger Kilometern ihre CO2-Last wieder reinfahren. Von da ab fahren sie umweltfreundlicher als jeder Verbrenner, der immer noch Rohstoffe verbrennt. Lithium-Akkus sind zu über 90 Prozent recycelbar. Einziges Handicap: Es gibt noch nicht genügend Akkus dafür. Es gibt Firmen, die mit ihren Pilotanlagen heute schon mehrere 1000 Tonnen pro Jahr recyceln können, übrigens CO2-neutral.

Neue Akkutechnologien für mehr Reichweiten bis zu 2000 Kilometer sind technisch machbar. Ladezyklen von heute 2000 mit Potenzial 3000 und Ladezeiten von zehn Minuten für 80 Prozent sind möglich. Da entstehen übrigens neue Arbeitsplätze! Akkus werden für Europa in Europa produziert, da man den CO2-Verbrauch des Transports nicht mehr haben will. Wenn man schon vergleicht, dann bitte Äpfel mit Äpfeln. Ein Tesla Model S ist genauso groß wie ein 7er BMW und verfügt über dieselben dynamischen Fahrleistungen. Dabei wiegt der Tesla sogar weniger!

Heute werden Rohstoffe verbrannt, die in Millionen von Jahren entstanden sind. Dabei wurde sehr viel CO2 gespeichert. Das setzen wir jetzt in wenigen Jahrzehnten frei. Dieser Rohstoff ist endlich und der Abbau erfolgt ebenso unter kritischen Bedingungen. Subventioniert wurde doch jahrzehntelang der Diesel. Würde man den Diesel nach Brennwert besteuern, dann wäre ein Liter Diesel doch deutlich teurer als der Liter Benzin.

Grundsätzlich halte ich nichts von staatlichen Subventionen. Das E-Fahrzeug muss man nicht fördern, es wird sich aus rein technischen Aspekten durchsetzen. Mein erstes Auto hatte eine Reichweite von 400 Kilometern bei vollem Tank. Der Dieselmotor hat bald 100 Jahre Entwicklungszeit hinter sich. EAutos stehen am Anfang. Dass die EMobilität nicht die Lösung unseres Umweltproblems ist, sollte jedem bewusst sein. Das ist nur ein kleiner Tropfen auf den heißen Stein. Die Massenproduktion von Autos für den Individualverkehr wird immer bedenklich sein, egal welche Technologie zum Zuge kommt.

Aber gerade wir in Europa sollten unsere technischen Möglichkeiten ausschöpfen und aufzeigen, wie es gehen kann. Leider werden wir gerade auf beiden Seiten überholt.

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