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Leserbriefe

Die Zeichen der Zeit ignoriert

07.06.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Anna Antunes, Wendlingen. Zum Artikel „Ziel ist eine verlässliche Betreuung“ vom 12. Mai.

Die Betreuungszeiten an Wendlinger Kindertageseinrichtungen werden sich ändern. Eltern werden diesbezüglich in einem Rundbrief und Zeitungsartikel vor vollendete Tatsachen gestellt: Bürgermeister und Träger haben die Sache schon beschlossen, der Personalmangel wird als Grund genannt. Den möchten wir auch gar nicht in Frage stellen! Bitter stößt uns auf, dass im Gemeinderat Kinderbetreuung als „Luxus“ bezeichnet wird.

Wir können die Planung von Kinderbetreuung nicht Männern überlassen, die diese als „Luxus“ bezeichnen! Und auch nicht Männern, die eine Vollzeittätigkeit der Mütter in Frage stellen! So ein Mitglied des Gemeinderats in einem privaten Gespräch. Diese Einstellung und Politik aus dem letzten Jahrhundert haben zur jetzigen Personalnot geführt. Verantwortliche haben die Zeichen der Zeit ignoriert. Man hat seitens der Stadt erkannt, dass ein erhöhter Bedarf an Kinderbetreuung besteht. Doch statt den Beruf Erzieher/-in attraktiver und wertschätzender zu gestalten, plant man Neubauten. Wo das Personal dafür herkommen soll? Man weiß es nicht.

Wir können die Planung von Kinderbetreuung auch nicht Menschen überlassen, die bei Personalplanung auf Abwarten setzen! Nicht anders ist für uns erklärbar, wie die Eltern aus dem Kindergarten Hebelstraße mit nur drei Tagen Vorlauf Kürzungen in den Betreuungszeiten erfahren. Geht Personal in Altersrente, dann ist das länger bekannt. Hat man die Stelle nicht rechtzeitig ausgeschrieben? Hat man trotz bekannten Personalmangels bis drei Tage vorher noch auf ein Wunder gehofft?

Wir erfahren in oben genanntem Rundschreiben, dass bei der Vergabe der sogenannten L-Plätze Alleinerziehende besonders berücksichtigt werden. Das ist erfreulich! Doch wie die Kriterien zur Vergabe darüber hinaus aussehen, ist nicht bekannt. Gibt es noch keine? Möchte man erstmal abwarten, um die Eltern dann wieder kurzfristig vor vollendete Tatsachen zu stellen? Nicht viel Vorlauf, damit niemand Zeit hat sich zu beschweren? Viele weitere Fragen bleiben beziehungsweise blieben bislang unbeantwortet. Unser Appell deswegen: Maximale Transparenz bezüglich vergangener und künftiger Entscheidungsprozesse!

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