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Die Scheinheiligkeit der sauberen E-Autos

14.11.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Kai Grebe, Wolfschlugen. Zum Artikel „Hersteller fürchten Todesstoß aus Brüssel für Verbrenner“ vom 3. November. Man müsste ja herzlich über die „Euro 7-Vorlage der EU-Kommission“ lachen wenn es nicht gleichzeitig so ideologisch und wirtschaftsfeindlich wäre, was da unter der Präsidentschaft von der Leyens vorgestellt wird. Für Verbrenner wird der Reifenfeinstaub in die Emissionsbilanz eingerechnet, der deutlich höhere Reifenfeinstaub der schwereren Batteriefahrzeuge findet dagegen keine Berücksichtigung. Befinden wir uns noch im US-Wahlkampf à la Trump? Aber davon ganz abgesehen will Timmermann den Stickoxidausstoß in den Bereich der Messgeräte-Toleranz begrenzen. Das ist pure politische Technologievorgabe!

Klimaseitig ist ja zu begrüßen, zumindest in Europa Fortschritte zu machen, aber zu behaupten, dass Batteriefahrzeuge CO2-neutral sind, ist eine Mär. Das gilt vielleicht für das reine lokale Fahren, aber dabei wird die Batterieherstellung im Produktionsprozess als nicht existent ausgeblendet („der Auspuff befindet sich nur an einer anderen Stelle“).

Wenn führende Institute ermitteln, dass die Herstellung eines E-Fahrzeugs (zum Beispiel TESLA) bereits vor dem ersten gefahrenen Kilometer eine CO2-Bilanz eines mit über 100 000 Kilometer gefahrenen modernen Diesels hat, wird die Scheinheiligkeit des so sauberen EFahrzeugs augenscheinlich. Dabei ist das Thema Nachhaltigkeit und Recycling von Altbatterien am Ende ihres Lebenszyklus erst noch zu klären. Dies sollte aber erfolgt sein, bevor Abermillionen Batterien auf Halde stehen, nicht dass wir einen Zustand wie bei der Endlagerung radioaktiven Abfalls erleben müssen!

Zudem wird eine Unmenge Wasser benötigt, um das zum Bau der Batteriezellen benötigte Lithium aus dem Boden zu lösen. So steht der Lithiumbergbau in Chile, Argentinien und Bolivien regelmäßig in der Kritik, da er zu einer starken Wasserknappheit in den betroffenen Gebieten führt. Ebenso ist noch gar nicht berücksichtigt, wie der Strom zum Laden der E-Fahrzeuge in die Steckdose kommt, ganz zu schweigen von der nicht ausreichend vorhandenen Ladesäulen-Infrastruktur.

Das alles mit „Grünem Strom“ zu realisieren ist schnell erkennbar, da wir selbst in Deutschland seit dem Atomausstieg nicht genug Stromtrassen bauen konnten, um den Windparkstrom zum Verbraucher zu bekommen. Ich will sicher nicht zurück zu Kernkraftwerken – wie sie an den Ost- und Westgrenzen Deutschlands noch betrieben werden –, aber ein gerade neu ans Netz gehendes Kohlekraftwerk reduziert zum CO2 = 0-Ziel nicht!

Leserbriefe

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