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Die Kormorane und die Fische

01.03.2012 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Günter Richter, Kirchheim. Zum Artikel „Die Hobby-Fischer sind selbst schuld“ vom 25. Februar. Man wird es auch zukünftig ertragen müssen, dass wir Angler den vom Kormoran leer gefressenen Fischbestand im Neckar beklagen. Wir werden Missstände wie die viel zu hohe Kormoranpopulation weiterhin aufzeigen und veröffentlichen.

Als Angler stehen wir auf der Seite der Natur. Der Schutz der Tiere hört für uns allerdings nicht an der Wasseroberfläche auf. Es ist uns in der Gegenwart auch ziemlich gleich, dass vor neuntausend Jahren in Süddeutschland Kormoranknochen nachgewiesen wurden und die Freunde dieses Vogels daraus abgeleitet den Kormoran als heimischen Vogel betrachten.

Tatsache ist, dass die Masse der heute in Baden-Württemberg lebenden Kormorane für unsere Gewässer unverträglich hoch ist. Die Artenvielfalt unter den Fischen hat bereits erhebliche Schäden genommen, weil die Ökologie aus dem Gleichgewicht geraten ist. In unserer Kulturlandschaft sind die natürlichen Bedingungen zur Selbstregulation der Artenbestände nicht mehr gegeben.

Es gibt Dutzende von Untersuchungen, die sich mit der Kormoranproblematik und dem Rückgang der Fischbestände beschäftigten. Die daraus resultierende Beweislast führte im Jahr 2010 zur Neufassung einer verschärften Kormoranverordnung, die nach wie vor unzureichend ist. In allen stark beflogenen Gewässern zeigt sich nach kurzer Zeit, dass fast alle Fische der mittleren Größenklassen von zehn bis 40 Zentimetern fehlen!

Das sind nicht die Fische, die im Maul des „gebietsfremden“ Wels verschwinden, sondern das sind die Fische, die besonders gut in den Schlund des Kormorans passen! Und wenn sich die Welse in den Wernauer Baggerseen an den Jungenten vergreifen, liegt das ganz einfach daran, dass die Fische als natürliche Nahrungsgrundlage der Welse von den Kormoranen weggefressen wurden.

Ich empfehle einmal einen Blick von der Neckarbrücke nach unten. Wo man einst im Neckar Hunderte von Fischen zählen konnte, schaut man heute in ein fischfreies Gewässer. Vielleicht hilft einmal ein solcher Blick für eine objektivere Sichtweise.

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