Leserbriefe

Die Fakten nicht einfach ignorieren

11.01.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Dr. Johannes Heimann, Nürtingen. Zu den Artikeln „Angriff auf Botschaft im Irak: USA schicken weitere Truppen“ und „Viel zu verlieren“ am 2. Januar und „Kriegserklärung“ am 4. Januar. Von kritischen Journalisten erwarte ich, dass sie Ereignisse im historischen Zusammenhang darstellen. Dann wären sie davor gefeit, Dinge so einseitig und tendenziös darzustellen, wie jüngst in der Nürtinger Zeitung geschehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg regierte im Iran der demokratisch gewählte und westlich-liberal orientierte Präsident Mossadegh. Er forderte für die iranischen Arbeiter, die in den im britischen Besitz (British Petroleum) befindlichen Ölförderanlagen unter Apartheidähnlichen Bedingungen arbeiteten, gerechte Löhne und eine angemessene Beteiligung Irans an den Gewinnen. Daraufhin organisierten 1953 der britische Geheimdienst Mi6 und die CIA einen „regime change“ und installierten Schah Reza Pahlevi. Unter ihm wurde der Iran zum größten Abnehmer amerikanischer Waffen im Nahen Osten. Die Geheimpolizei SAVAK folterte und tötete nicht nur unzählige Oppositionelle, sondern begab sich im Sinne einer diktatorischen Verwestlichung auf die Straßen, zum Beispiel um Frauen ihre islamische Tracht abzureißen. Unter Historikern ist unbestritten, dass die „Islamische Revolution“ mit Khomeini 1979 auch in ihrer islamistischen Ausprägung die späte Antwort auf den Sturz Mossadeghs und das Schah-Regime darstellt. Die iranische Zivilbevölkerung kam vom Regen in die Traufe. Das Ajatollah-Regime fiel also nicht vom Himmel. Ein amerikanischer Politiker sollte vorsichtig sein, mit dem Finger auf den Iran als Schurkenstaat zu deuten: vier Finger weisen auf ihn selbst zurück. Dann kommt die Eilnachricht, dass die USA den iranischen General Soleimani „getötet“ haben. Treffender wäre „ermordet“: aus dem Hinterhalt, ohne Gerichtsverfahren, eines Rechtsstaats unwürdig, dazu noch mehrere Begleitpersonen umgebracht und das alles auf dem Gebiet eines anderen Staates.

Man stelle sich vor: eine iranische Drohne „tötet“ auf dem Weg von Stuttgart-Vaihingen nach Ramstein den amerikanischen General NN. Was da im Blätterwald los wäre! Ich darf Herrn Pörtners Artikel wie folgt umschreiben: „Trumps Iran-Strategie ist geglückt. Jetzt eskaliert die Gewalt. Soleimani war die zweitwichtigste Figur im Iran. Ihn ließ Trump auf fremdem Boden ermorden und beabsichtigte so, dass der Iran irgendwie zurückschlagen würde. Dies könnte man mit Hilfe unkritischer Journalisten dann so drehen, dass in einem sich anschließenden Krieg der Iran wie der Aggressor aussieht. Die Regierenden der USA haben schon früher bewiesen, dass sie auch fernab der eigenen Landesgrenzen zuschlagen. Und sie haben ein klares strategisches Ziel: die komplette Vorherrschaft im Nahen Osten.“ Menschenrechte und das Völkerrecht bleiben einmal mehr außen vor.

Leserbriefe

Nicht mit dem Glauben Politik machen

Walter Stückle, Neckartenzlingen. Zum Artikel „Skepsis gegenüber türkischen Schulen“ vom 11. Januar. Jetzt ist es aber genug! Wird ernsthaft darüber nachgedacht, muslimische Schulen zuzulassen. Bei den Moscheen hat man schon den Fehler gemacht, dass dort nicht in deutscher Sprache gepredigt…

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