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Die europäische Sicherheitsstrategie

11.05.2022 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Klaus Seeger, NT-Zizishausen.

Die bisherige Strategie Europas „Wandel durch Handel“ hat uns jahrzehntelang Wohlstand und Frieden gesichert. Wer miteinander Handel treibt, sich akzeptiert und in Kontakt bleibt, führt in der Regel keine Kriege gegeneinander. Die Globalisierung und der freie Handelsverkehr werden nach wie vor als Garant einer florierenden Wirtschaft angesehen. Wer nun diese Strategie in Bezug auf Russland verteufelt und dafür verantwortlich macht, man würde damit den Krieg in der Ukraine finanzieren, der handelt unredlich und vorsätzlich täuschend.

Seit Willy Brandt wurde der Kalte Krieg Ost gegen West beendet und wich einem gütlichen Miteinander. Spätaussiedler wurden in Deutschland willkommen geheißen. Deutsche Firmen betreiben Fabriken in Russland. Man konnte gegenseitig im Land gefahrlos Urlaub machen. Europa hatte eine friedvolle und positive Perspektive. Aber ach! Hätten wir doch besser aufgepasst! Was hier friedlich vonstatten ging, hat nicht jedem gefallen. So wurde im Kielwasser des Ausbaus der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Europa und Russland, ermöglicht durch den Verfall des Ostblocks, die NATO Richtung Osten erweitert.

Unsere Freunde aus Übersee haben freudig einen Staat nach dem anderen unter ihre militärische Obhut genommen, um dem bösen Russen Paroli zu bieten. Hätten wir aufgepasst, wären die Signale aus Russland, dass man sich durch das Näherkommen der NATO bedroht fühle, nicht ungehört verhallt. Man hätte gemeinsam vereinbaren können, den verbliebenen Staaten zwischen Russland und NATO die militärische Neutralität zu ermöglichen, was den beiderseitigen Sicherheitsinteressen entsprochen und trotzdem wirtschaftliche Entwicklung und Kooperation ermöglicht hätte. Chance verpasst und verschlafen.

Unsere amerikanischen Freunde hingegen haben ihre Handelsziele erreicht. Deutschland legt ein Sondervermögen für Sicherheit auf und kauft Helikopter und Bomber für zig Milliarden in den USA wie wenn es keine europäische Rüstungsindustrie gäbe. Bisher einfach mittels Pipeline geliefertes Erdgas aus Russland wird ersetzt durch ökologisch irrsinniges verflüssigtes Fracking-Gas, das mit schwerölbeheizten Frachtern über den Großen Teich geliefert wird. Gleichzeitig zwingen ausbleibende Warenlieferungen unsere Industrie in die Knie. Die USA haben ihr Wirtschaftsprogramm und Europa zahlt die Zeche.

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