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Die Angst vor dem gefährlichen Islam

23.09.2010 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Peter Reinhardt, Neckartenzlingen. Zum Leserbrief „Und was tut unsere Regierung dagegen?“ vom 14. September. Es ist immer wieder erstaunlich, ja erschreckend, wie fest die Angst – oder muss man sagen: der Hass? – vor oder auf den Islam bei manchen Menschen hierzulande verankert ist. Der Leserbrief von Frau Hofstadt ist dafür ein schlimmes Beispiel. Aber sie hat ihr Islambild freilich aus den Medien, die sie liest; obwohl ja die Nürtinger Zeitung in einer sehr lobenswerten Reihe wirklich genug Beispiele bringt, wie oft und wie gut sich Muslime und andere Zugewanderte bei uns eingegliedert haben. Aber das nützt scheint’s bei manchen Menschen nicht viel.

Aber wer will es denn wissen, dass auch die Religion des Islam sich als Religion des Friedens versteht; und wer sich näher mit ihr befasst, kann das nur bestätigen. Es ist ja richtig, dass ein Teil – es ist schwer festzustellen, wie groß er ist, aber es bleibt ein Teil – zurzeit üble Hasskampagnen von sich gibt. Aber wenn wir diesen extremistischen Teil des Islam mit dem ganzen Islam gleichsetzen, tun wir großes Unrecht.

In dem extremistischen Teil der islamischen Welt geschieht spiegelbildlich das Gleiche: sie verweisen auf die Kreuzzüge, die ein Schande für das sogenannte christliche Abendland waren; auf die Inquisition, die schlimmer als al-Qaida je gewütet hat; sie verweisen auch darauf, dass die zwei Weltkriege, die das sogenannte christliche Europa ausgelöst und durchgefochten hat, eine Gewaltorgie waren, gegen die alles geradezu harmlos ist, was – fälschlich – im Namen des Islam in jüngster Zeit geschehen ist. Von der westlichen Politik gegenüber den islamischen Ländern mal ganz zu schweigen. Das sollte, das muss man mitbedenken. Fänden wir es gut, wenn wir mit dem hässlichen Teil des Christentums identifiziert würden? Es wäre genauso gerecht wie die Gleichsetzung von Taliban und Islam. Aber man kann natürlich über all das ganz großzügig hinwegsehen und beim traditionellen Feindbild „Islam“ stecken bleiben.

Es ist nun einmal so, dass weder das sogenannte christliche Europa noch die islamische Welt im Kern friedlich und gut sind; beide haben solche und solche Seiten. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen und anerkennen. Hass- und Angst-Tiraden, wie sie im angegebenen Leserbrief abgelassen werden, sind nun einmal in der Sache falsch und gefährden unsere Zukunft, die ziemlich sicher ohne die islamischen Zuwanderer nicht mehr gedacht werden kann. Und man muss zur Kenntnis nehmen, dass – wie man überall nachlesen kann – die überwiegende Mehrzahl der Zuwanderer bei uns ganz ordentlich eingegliedert ist. Natürlich bleiben Reste, aber auch unter der deutschen Bevölkerung gibt es recht unangenehme und gefährliche Exemplare. Wir dürfen nicht immer wieder und wieder auf die paar Brennpunkte starren, an denen die Eingliederung nicht zu klappen scheint. Der zum Teil extremistische, arg rückständige Islam wird Europa nicht überrennen, dazu ist die freiheitliche, europäische Idee viel zu stark.

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