Leserbriefe

Der Einsatz in Afghanistan

11.11.2010, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jochen Findeisen, Schlaitdorf, Pressesprecher Kreisverband Die Linke. Zum Artikel „Demokratie ist keine Option“ vom 19. Oktober. Der Herr Bundesminister für Verteidigung sowie sämtliche Bundestagsabgeordneten aus dem Landkreis Esslingen haben in diesen Tagen einen „offenen Brief“ erhalten.

Die Landtagskandidaten der Linken aus dem Kreisverband Esslingen (Wolfgang Braun, Wahlkreis Nürtingen; Bernd Luplow, Wahlkreis Kirchheim; Tobias Hardt, Wahlkreis Esslingen) übersandten dem Minister und den Abgeordneten das Interview, das Barbara Gosson mit Dr. Erös führte.

Dieser ist ehemaliger Oberstarzt und Bataillonskommandeur der Bundeswehr und wurde zusammen mit seiner Frau für seine zivile Tätigkeit in Afghanistan bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er arbeitet ebenso ehrenamtlich für das private Hilfswerk „Kinderhilfe Afghanistan“.

Er kennt das Land, die dortigen Sitten und Gebräuche und die am meisten verbreitete Sprache, trägt die gleiche Kleidung wie die Afghanen und kann sich so „sicher“ im Land bewegen. Obwohl er noch zu Zeiten der Taliban-Herrschaft dort die erste Mädchenschule (!) aufgebaut habe, sei keine Einrichtung seiner Organisation zerstört worden, keinem seiner Mitarbeiter sei „ein Haar gekrümmt“ worden.

Aus Sicht der Kandidaten wurden die Bürger der Bundesrepublik Deutschland von Anfang an über Sinn, Zweck und Durchführbarkeit des Afghanistan-Einsatzes belogen.

Der Minister von und zu Guttenberg habe unlängst jedenfalls bei seinem Aufenthalt in Frickenhausen mit dem Märchen aufgeräumt, die Bundeswehr sei hauptsächlich dort, um der Zivilbevölkerung zu helfen.

In seiner „erfrischend ehrlichen Art“ habe er dort erklärt, unsere Soldaten seien nicht in Afghanistan, um „Brunnen zu buddeln“. Dr. Erös wird mit seiner Aussage zitiert, dass deutsche Soldaten in ein Land geschickt wurden, dessen Sprache, Kultur und Geschichte ihnen fremd seien. „Blind, stumm und taub“ könnten sie dort nichts ausrichten.

Die Verfasser fragen in ihrem offenen Brief, ob die Abgeordneten und der Minister besser über Afghanistan informiert seien als unsere Soldaten, die dort Dienst tun? Glaube man Herrn Dr. Erös, so seien die einzigen Profiteure dieses Einsatzes eine kleine Clique von korrupten Millionären, für deren Profit auch deutsche Soldaten jeden Tag ihr Leben aufs Spiel setzen müssten.

Besorgniserregend fanden die Landtagskandidaten auch, dass die Berichterstattung in unseren Medien laut Dr. Erös meist „dürftig, einseitig und wenig sachkundig“ sei und man sich besser aus österreichischen oder amerikanischen Beiträgen informiere.

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