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Leserbriefe

Der Blick vom Balkon

05.03.2008 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Thomas Hölderle, NT-Neckarhausen. Die Entwicklung zum geplanten Gewerbegebiet Großer Forst hat nun insofern eine erfreuliche Entwicklung genommen, dass die Firma Boss und auch die Stadt Nürtingen mit OB Heirich mit ihren Argumenten an die Öffentlichkeit treten. Diese sind zumindest für meine Person nicht besonders geeignet, deshalb zum Befürworter des Projekts zu werden. Die Anzahl und Qualität der Arbeitsplätze ist immer noch sehr undurchschaubar. Besonders bei der Vergänglichkeit der Strukturen unserer Großkonzerne ist ein solcher Umweltfrevel nicht zu akzeptieren. Ich denke, dass die Nürtinger Bevölkerung durch ihre Anteilnahme ein großes Umweltbewusstsein beweist und dadurch deutlich zeigt, dass dieses Gelände das bleiben soll, was es derzeit noch ist: landwirtschaftliches Nutzgebiet!

Nun bekommt Herr Heirich über den Gewerbezweckverband deutlich Schützenhilfe von seinen beteiligten Amtskollegen. Diese sollten sich allerdings die Frage gefallen lassen, ob ihre Wähler und Mitbürger ein solches Baudenkmal wie den geplanten Boss-Bau auf ihrer Gemarkung haben wollen, das wertvollen Ackerboden vernichtet und das Landschaftsbild zerstört. Hier sei mir übrigens noch eine Bemerkung zu Herrn Heirichs Äußerung gestattet, dass das Landschaftsbild bereits durch einige Gebäude beeinträchtigt sei. Ich denke, dass man einstmals ausgesiedelten Bauern nicht verdenken kann, Wirtschaftsgebäude zu errichten. Und diese stören das Landschaftsbild, wenn überhaupt, dann nur minimal. Davon kann sich der OB einmal persönlich vom Balkon meines Eigenheims in Neckarhausen überzeugen, wenn er daran Interesse hat.

Im Übrigen frage ich mich nach wie vor, was die Aussiedelung unserer Landwirte für einen Sinn macht, wenn sie wie in anderen Nürtinger Beispielen nach wenigen Jahrzehnten erneut der Bebauung im Weg sind. Bedenken unsere Politiker, auch Kommunalpolitiker, dass im Zuge steigender Weltbevölkerungszahlen unsere nach-folgenden Generationen vielleicht wieder einmal mehr auf Eigenversorgung angewiesen sein werden? Wo sollen diese ihre Nahrungsmittel gewinnen, wenn hemmungslos immer mehr Ackerfläche zerstört wird? Sollen sie wie die Alemannen vor uns die Wälder roden, um Weide- und Ackerland zu gewinnen? Gut, dass die Verantwortlichen diesen bedauernswerten Nachkommen vermutlich nicht mehr in die Augen sehen müssen. Abschließend möchte ich noch bemerken, dass ich in unzähligen Gesprächen zum Thema Großer Forst nahezu auf einhellige Ablehnung gestoßen bin. Nur vereinzelte Mitbürger halten dieses Projekt für vertretbar. Nachdem sich die Politik ja nicht immer streng an gemachte Aussagen und vergangene Beschlüsse hält, wie wieder einmal aktuelle Ereignisse zeigen, sollten sich unsere Stadträte einmal besinnen, ob sie derart krampfhaft an der Umlegung dieses Geländes festhalten müssen.

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