Leserbriefe

Den Ochsen nicht abreißen

01.08.2009, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Kurtfritz Handel, Frickenhausen-Linsenhofen. Zum Artikel „Knapp an Vertagung vorbeigeschrammt“ vom 30. Juli. Wir wohnen alle in Gemeinden, wo das Alte und das Gegenwärtige in symbiotischer Verschmelzung uns einen Lebensraum bietet, der von Tradition und Brauchtum, von Nachbarschaft und Gemeinschaft geprägt ist. Einem Trend folgend, der weg von der Stadt und hin zur Idylle des Dorfes mitten in der Natur weist. Wir erleben, wie das Neue, das Jetzt sich ausweitet und Altes, oft Wertvolles eines nach dem anderen verschwindet. Wer die Heimatbücher unseres Kreises durchblättert, erkennt, wie Rationalität und wirtschaftliches Denken die alten Preziosen verschwinden lässt.

Der Gemeinderat von Frickenhausen hat beschlossen, das schöne, alte und einzige Fachwerkhaus in der Hauptstraße, das Gasthaus „Zum Ochsen“, abzureißen, statt es in das neue Bauprojekt des Altenheims zu integrieren.

1969 hat die Gemeinde Frickenhausen für einen höheren Zweck sein altes Rathaus, Baujahr 1525, in der Mittleren Straße abgerissen. Die 1551 erbaute Kapelle von Tischardt wurde 1981 abgebaut und im Freilichtmuseum bei Tuttlingen originalgetreu wieder aufgebaut. Diesen Maßnahmen ist gemeinsam, dass sie im Nachhinein als falsch erkannt wurden, der Ortsbildpflege und Identitätsbewahrung widersprochen haben. Als Künstler ist mir die Pflege der alten Bausubstanz eine Herzenssache, so will ich auch für den Ochsen eine Lanze brechen. Kelter und Ochsen gehören zusammen, sie prägen als einziges Beispiel alten Fachwerkbaus den alten Ortskern in der Hauptstraße. Ist es verantwortlich, 2009 ein solches Blickmotiv aus der Geschichte des Ortes mit einem Stahlglasbau zu ersetzen, wenn die bessere Option wäre, den Ochsen als Ort der Begegnung in das Bauvorhaben zu integrieren?

Als bald 70-jähriger Senior ist mir das Seniorenheim ebenfalls eine Herzenssache, doch ist mir unwohl bei dem Gedanken, dass dieser Baukomplex in die alte Ortsmitte gezwängt werden soll, auf Kosten der alten Bausubstanz. Wenn ich in zehn Jahren wählen müsste, welches Altenheim zu bevorzugen ist, eines in der Ortsmitte, neben dem täglichen Verkehr der Hauptstraße, oder ein Heim mit Parkanlage und Blick auf das Täle und den Hohenneuffen, bitte ich auch unsere Gemeinderäte diese Überlegung vorzunehmen. Ein Altenheim mit Parkanlage ist in Frickenhausen möglich. Bloß 300 Meter vom Rathaus entfernt, am alten Friedhof mit dem alten Baumbestand und einer Parkanlage. Die 15 Gräber im Areal des Friedhofs könnten umgebettet werden und in einem neuen Parkkonzept einen würdigen Platz erhalten. Um diesen Park herum in der Süd- und Westachse könnte das neue Seniorenheim mit Blick ins Täle und auf den Hohenneuffen entstehen. Und sozusagen als Hof des Seniorenheims, der alte Friedhof als Parkanlage umgestaltet, mit alten Bäumen, Blumenrabatten, Bänken und genügend Parkplätzen. Dies wäre eine sinnvolle Nutzung der jetzigen Gegebenheiten.

Leserbriefe

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