Leserbriefe

Das Virus und die Angst vor dem Tod

26.03.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Raul Guerreiro, Nürtingen. In der Samstagsausgabe vom 14. März bezieht sich fast jede vierte Nachricht auf ein bestimmtes Virus (im PC bereiten uns Viren übrigens seit langem Sorgen). Ein amerikanisches Labor hat bereits für das Publikum eine sehr detaillierte Liste von „zwölf Oberflächen von Gegenständen, die nicht berührt werden sollten“ erstellt (die Amerikaner sind sehr praktisch und erfinderisch, so konnten sie deshalb sogar den Mond schon einmal berühren). Diese Liste beginnt mit Banknoten und dann allerlei Objekten des Alltags. Aber der Mensch selbst wurde nicht erwähnt.

Außer der rein medizinischen Aspekte trägt die aktuelle Weltlage etwas Transzendentales in sich: die altbekannte Angst vor dem Tod. Das ist, was weltweit und über Jahrhunderte von einer materialistischen Kultur und von entgleisten religiösen Dogmas intensiv gepflegt wurde. Es ist übrigens die Urgrundlage für alle beinah kannibalischen, militärischen und brutalen Auseinandersetzungen zwischen Menschen oder Regierungen. Nun dürfen wir uns ebenfalls an etwas anderes Transzendentales erinnern. Ein sehr altes Buch (nicht von Wissenschaftlern konzipiert, aber keine Fake news) beschreibt wie einmal im Nahen Osten ein bestimmter Mann von einer erkrankten Frau berührt wurde. Seine Gesundheit wurde dadurch nicht belastet oder infiziert. Im Gegenteil, etwas Unsichtbares wurde von ihm auf die Frau übertragen und deren Gesundheit änderte sich völlig. Sie wurde geheilt.

Gerade unsere angespannten Zeiten schenken uns die Chance, etwas Ähnliches zu praktizieren. Obwohl wir Berührungen vermeiden (oder vermeiden müssen), können wir bei jeder menschlichen Begegnung, egal welche soziale oder seelische Unterschiede bestehen, mehr und mehr Verständnis, Freundschaft, Geduld, Mitleid und menschliche Wärme weitergeben beziehungsweise „übertragen“. Alles ist unsichtbar und kann live auf der Straße, im Büro oder zu Hause geschehen.

Für größere Entfernungen gibt es E-Mails oder WhatsApp. Also ganz modern, superglobal und unsichtbar, wie das verflixte Ding, das uns jetzt für eine Weile besucht.

Leserbriefe

Da fehlen mir die Worte

Jenny Dalchau, NT-Neckarhausen. Zum Artikel „Haare selber schneiden – ohne weinen und ziepen“ vom 26. März. Da muss ich mich doch fragen, ob das jetzt ernst gemeint ist oder einfach nur ein schlechter Witz! Sind wir Friseure (natürlich auch andere Berufsgruppen) nicht schon genug mit den…

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