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„Das ist kein nachhaltiges Sparen“

26.02.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Jonas Krause, München. Mit großem Entsetzen haben wir von den Plänen der Stadt Nürtingen gehört, die Jugendkunstschule zu schließen und die Musikschule längerfristig stark zu beschneiden.

Wir als Band RasgaRasga haben unseren Ursprung nicht zuletzt auch an der Musikschule Nürtingen. Hier haben wir im Einzelunterricht und in Ensembles von unseren ersten musikalischen Gehversuchen bis hin zur Studienvorbereitung unglaublich viel an musikalischer Bildung und Persönlichkeitsbildung mit auf unseren Lebensweg bekommen.

Wir haben die Stadt Nürtingen bei „Jugend musiziert“ bis hin zur Bundesebene erfolgreich vertreten, haben als Band in der Partnerstadt Oullins gezeigt, was Nürtingen musikalisch zu bieten hat und treten regelmäßig vor großem Publikum auf. Ohne unsere Ausbildung an der Musikschule wären wir nie so weit gekommen.

Um in Nürtingen aber weiterhin Musik und Kunst auf hohem Niveau zu ermöglichen, reicht es nicht aus, das Angebot der Musikschule auf Gruppenunterricht zu reduzieren und sämtliche Projekte (wie zum Beispiel die Orchester-, Musical- und Theaterarbeit, die die Musik- und Jugendkunstschule Nürtingen zu einer im gesamten Umland herausragenden Institution machen) einfach zu streichen.

Die Effizienz einer kulturellen Einrichtung lässt sich niemals mit einer simplen Einnahmen-Ausgaben-Rechnung bemessen. Sie schlägt sich vielmehr im Image der Stadt und in ihrer öffentlichen Wahrnehmung nieder. – Wenn also die Imaka hier feststellt, dass das Angebot über dem Durchschnitt vergleichbarer Kommunen liegt, muss dies kein schlechtes Zeichen sein.

Natürlich ist klar, dass Nürtingen sparen muss. Wenn dabei allerdings der Rotstift gnadenlos an Bildungseinrichtungen angesetzt wird, kann dies kein nachhaltiges Sparen sein, sondern wird früher oder später wieder negativ auf die Stadtbilanz zurückfallen.

Denn was macht eine Stadt wie Nürtingen attraktiv und lebendig? Wohl gerade für junge Familien wird ein großer Faktor das Kulturangebot und die Entfaltungsmöglichkeiten für Kinder sein. Und genau hier kommt die Musik- und Jugendkunstschule ins Spiel.

Wenn Nürtingen stattdessen lieber auf einen kurzfristig stabilen Haushalt auf Kosten von Kunst und Kultur setzt, ist der Schritt zum Aussterben dieser lebendigen Stadt nicht mehr weit. Herzlichen Glückwunsch zum gelungenen Schuldenabbau dann!

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