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Corona und Menschen mit Behinderung

02.05.2020 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Bärbel Kehl-Maurer, Nürtingen, Vorsitzende der Lebenshilfe Kirchheim, Bundesvorstand der Lebenshilfe. Die Corona-Krise stellt die Familien mit Kindern vor große, nicht vorhergesehene Herausforderungen, auf die Politik und Kommunen reagierten und bereits Maßnahmen beschlossen. Wie aber geht es den Eltern, die derzeit ihr behindertes Kind vollständig betreuen müssen? Was ist mit den Eltern, die unvermittelt ihre erwachsene Tochter oder ihren erwachsenen Sohn jetzt tagsüber betreuen müssen, weil Werkstätten, in denen diese sonst arbeiten, ganz geschlossen wurden? Was müssen Familien mit Menschen mit Behinderung in einer solchen Situation dann leisten?

Seit sechs Wochen sind die Kitas und Schulen geschlossen, die Werkstätten zu. „Wir betreuen unseren 35-jährigen Sohn gern – überhaupt in dieser schwierigen Zeit. Das gibt ihm Sicherheit und Vertrauen. Wir machen unsere Arbeit hinter verschlossenen Türen. Das ist unspektakulär, weil es niemand sieht“. So fasste es eine betroffene Mutter zusammen. In einigen Familien ist sogar eine Eins-zu-eins-Betreuung notwendig. Viele Eltern würden sich wünschen, dass auch diese umfassende Betreuung beziehungsweise Pflege offiziell gesehen und anerkannt wird. Viele Eltern leiden auch darunter, dass sie ihre Söhne und Töchter nicht in den Wohneinrichtungen besuchen dürfen.

Glücklicherweise können die Menschen mit Behinderung von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in den Wohneinrichtungen tätig sind, versorgt werden. Die wiederum schränken ihre persönlichen Kontakte ein, um das Ansteckungsrisiko für die Bewohner so gering wie möglich zu halten. Was sie und die betroffenen Familien leisten, ist systemerhaltend. Es ist großartig und sollte dementsprechend auch in den Kommunen, der Politik und der Gesellschaft mehr wertgeschätzt werden. Wenn es also jetzt darum geht, schrittweise die strengen Maßnahmen für die Allgemeinheit zu lockern, dann sollte die Situation der Menschen mit Behinderung, ihrer Familien und der Mitarbeiter in den Wohnheimen nicht vergessen werden. Kreative Lösungen sind dabei zielführender als bürokratische Abläufe und Hürden. Es ist wichtig, dass wir ihre Leistung sehen, sie wertschätzen und uns solidarisch verhalten.

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