Schwerpunkte

Leserbriefe

Corona und die verpasste Gelegenheit

04.12.2021 05:30, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Manfred Siffermann, Frickenhausen.

Als nach dem letzten Lockdown im Frühjahr, trotz mangelnder Impfmöglichkeit, die Ansteckungsrate im ein- beziehungsweise niederen zweistelligen Bereich lag, hat man versäumt, Maßnahmen zu treffen, dass dies so auf längere Sicht gehalten werden kann. So hätte man Einschränkungen im Reise- und Flugverkehr, Versammlungs- und Kontaktbeschränkungen und so weiter nur langsam und schrittweise lockern dürfen und hätte jede einzelne Infektion nachverfolgen müssen.

Man setzte jedoch ganz auf das ab Mai/Juni in größerem Umfang möglich gewordene Impfen, vertraute voll auf den angeblich 95-prozentig wirkenden Impfstoff und gab hauptsächlich für Geimpfte nahezu alle Kontakt-, Reise- und Versammlungsbeschränkungen frei. Fast jeder konnte bei uns nahezu unkontrolliert einreisen, an Flughäfen und Grenzen wurde nur stichprobenweise kontrolliert.

Das war ein großer Fehler und die eigentliche Ursache, dass bei uns die Infektionen durch die Decke schießen. Die Ungeimpften werden jedoch als eigentliche Infektionsbeschleuniger dargestellt. Hierzu sollte man die Statistik genauer betrachten, welche nicht vollständig ist. Am 29. November lagen die offiziellen Zahlen bei 59 Millionen einmal Geimpften, bezogen auf 84 Millionen Einwohner gleich 71 Prozent. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es 29 Prozent beziehungsweise 24 Millionen Impfverweigerer gibt. Wo sind die circa sechs Millionen Genesenen, weitere circa fünf Millionen, die aus medizinischen Gründen nicht impfbar sind, sowie Kleinkinder oder Jugendliche, deren Impfbarkeit noch nicht oder erst seit Kurzem freigegeben ist, circa fünf bis acht Millionen? Legt man der Rechnung also nur die Impfbaren zugrunde, ergibt sich eine Impfquote von circa 85 bis 90 Prozent.

Unter dieser Prämisse erscheint mir die kampagnenartig geführte Diskussion über Impfpflicht völlig überflüssig und abwegig. Auch hat noch niemand gesagt was das kostet. Ein neues Bürokratiemonster mit über tausend Beamten und Angestellten und jährliche Milliarden.

Leserbriefe