Leserbriefe

Bomben: Vorbei an der Ausfuhrbeschränkung

05.03.2018, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Christel Stumpp, Neckartailfingen. Zum Leserbrief „Und was passiert mit anderen Gefangenen“ vom 23. Februar. Frau Zoller-Bender spricht mir aus dem Herzen. Wie kann es sein, dass die Kurdengebiete in Syrien in völkerrechtswidriger, verbrecherischer Weise (wie bereits vor Jahren im Irak) von der Türkei massiv militärisch angegriffen werden und Deutschland, die USA und alle Welt schaut tatenlos zu und lässt sie im Stich? Wurden die syrische Kurden nicht von der USA und Deutschland militärisch ausgerüstet, um die IS am Boden zu bekämpfen, was ihnen auch durch ihren Mut wirkungsvoll gelang, während alle anderen Akteure durch Luftschläge viele Zivilisten töteten?

Dass jetzt Assad noch bereit ist, den Kurden beizustehen, macht alles noch perverser. Ausgerechnet er, der seine eigene Bevölkerung (mit Hilfe der Russen) auf vielfältige, grausame Weise massakriert, aktuell Ost-Ghouta (und alle Welt schaut zu). Da steht man echt fassungslos, nichts als ohnmächtig und schlaflos vis à vis. Wenn man dann aus der Arte-Dokumentation „Bomben für die Welt“ entnimmt, dass der größte deutsche Rüstungsexporteur Rheinmetall in Sardinien und Südafrika Bomben produziert, um sie von dort aus – um deutsche Ausfuhrbeschränkungen zu umgehen – in großem Stil unter anderem nach Saudi-Arabien und Ägypten zu liefern, weiß man, was damit geschieht. Nicht nur das, deutsche Unternehmen verkaufen ganze Munitionsfabriken in den Nahen Osten und nach Nordafrika. Und der Bundessicherheitsrat schweigt.

Wenn man weiß, dass Saudi-Arabien (und Katar und zu Anfang auch die Türkei) die IS militärisch unterstützte, den Jemen in Grund und Boden bombt und vieles mehr, kann man sich ausmalen, was mit deutschen Bomben passiert. Was das für die betroffenen Menschen bedeutet, entzieht sich unserer Vorstellungskraft,

Ja wer nimmt sie auf, die Menschen, denen es gelungen ist, ihr Leben zu retten, wenn gleichzeitig die Grenzen hochgezogen werden? Wie schreibt Elie Wiesel (Holocaust-Überlebender und Friedensnobelpreisträger): „Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit“.

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