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Leserbriefe

Bericht über den Iran ist einseitig

03.06.2013 00:00, — Artikel ausdrucken E-Mail verschicken

Stefan Kromer, Wendlingen. Zum Artikel „Khomeinis kalte Augen“ vom 25. Mai. Selten habe ich einen solch tendenziösen, die Realität verzerrenden Bericht in einer vorgeblich seriösen Zeitung gelesen. Um dem Leser zu zeigen, was für ein rückständiges und verkommenes Land der Iran ist, scheute Simon Rilling keine Kosten und Mühen. Er setzte sich in den Flieger nach Teheran (vergaß leider zu berichten, dass er dank des Embargos des Westens keinen Direktflug bekam) und interviewte den erstbesten Taxifahrer. Im weiteren Bericht durfte Hossein, der Kronzeuge für alle Missstände im Iran, dann mutmaßen, dass seiner Meinung nach 60 Prozent der Bevölkerung gegenüber dem Regime feindlich eingestellt sind.

Ob Hossein der Taxifahrer oder irgendein Passant von der Straße war, erfährt man übrigens nicht. Würde man die absoluten Zahlen der letzten Bundestagswahl 2009 zugrunde legen, dann wären es in Deutschland circa 66 Prozent, die ihre Regierung nicht gewählt haben beziehungsweise nicht mit ihr einverstanden sind. Beim Thema Wirtschaft kommt Herr Rilling der Realität dann wohl eher ungewollt sehr nahe, als er das westliche Embargo im Zusammenhang mit Inflation und Arbeitslosigkeit erwähnt. Leider vergisst er zu erwähnen, in welch eindrucksvoll gutem Zustand die iranische Wirtschaft und Infrastruktur sind, trotz des Embargos gegen die iranische Bevölkerung. Beispielhaft dafür ist die Iran Khodro Co. zu nennen, der größte Autohersteller im Mittleren Osten, der 850 000 bezahlbare Autos pro Jahr baut.

Natürlich ist längst nicht alles gut im Iran. Es gibt keine Trennung von Staat und Religion, wobei die Iraner im Gegensatz zu uns über ihre Verfassung abstimmen durften. Der Gottesstaat beinhaltet leider auch die Zwangsverschleierung für Frauen. Dabei darf aber nicht die emanzipierte Rolle der Frau in der iranischen Gesellschaft vergessen werden, die sich unter anderem in einer 65-Prozent-Frauenquote bei den Studierenden zeigt. Auch die Todesstrafe und die Medienzensur sind kritisch zu sehen. Die Zensur kann ich ein Stück weit verstehen, sie soll dem Schmutz aus westlichen Medien entgegenwirken, der sich in Herrn Rillings Beitrag sehr deutlich zeigt. Natürlich bin ich für Meinungsfreiheit, diese sollte sich aber immer an Tatsachen orientieren. Eine Demokratie ist nur dann die bessere Staatsform, wenn sich jede Gewalt an der Wahrheit und an den Interessen der Bevölkerung orientiert.

Leserbriefe

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